Vor 75 Jahren – U 96 und “Das Boot”

U 96 einlaufend in St. Nazaire mit seinem Kommandanten Heinrich Lehmann-Willenbrock (r.), Foto: Deutsches U-Boot-Museum

Vor genau 75 Jahren lief das deutsche U-Boot U 96 unter seinem Kommandanten Heinrich Lehmann-Willenbrock zu seiner siebten Feindfahrt in den Nordatlantik aus. Der Kommandant war schon für seine Versenkungserfolge mit dem Ritterkreuz dekoriert worden und stand bei der Führung der U-Boote bereits in hohem Ansehen. Da in ihm und seinem Boot von der Propagandakompanie offenbar ein großes Potenzial zugeschrieben wurde, war bei dieser Unternehmung, wie bei den beiden Unternehmungen zuvor, wieder ein ebenfalls angesehener Marinekriegsberichterstatter, Lothar-Günther Buchheim mit an Bord. Auf Basis der 5. und 6. Feindfahrt von U 96 hatte er bereits seine 1943 vollendete Fotoreportage „Jäger im Weltmeer“ verfasst , die jedoch während des Krieges nicht mehr veröffentlicht werden konnte. Mit einem Fotoapparat und reichlich Film ausgestattet sollte und wollte er auch diese Unternehmung des Bootes begleiten.

Lothar-Günther Buchheim habe nach eigenen Angaben nach den Ereignissen rund 30 Jahre gebraucht, um diese so weit zu verarbeiten, dass er mit dem Verfassen eines Romans darüber beginnen konnte. Dieser wurde unter dem Titel „Das Boot“ 1973 im Verlag Piper veröffentlicht, nachdem dort anfänglich große Skepsis bezüglich des Manuskripts herrschte. Das Buch wurde ein großer Erfolg und löste eine angeregte gesellschaftliche Diskussion über die Nazi-Zeit und den Befehlshaber der U-Boote Karl Dönitz aus. 1981 wurde der Roman für 32 Millionen DM (heute etwa 29 Millionen €) von der Bavaria Film unter dem gleichen Titel verfilmt. Diese für deutsche Verhältnisse höchst aufwändige Produktion wurde einer der 10 erfolgreichsten deutschen Filme und wurde auch international ein großer Erfolg. Er erhielt den Bayerischen Filmpreis, 6 Oscar-Nominierungen und bildete mit seinem Erfolg die Grundlage für den Wechsel seines Regisseurs Wolfgang Petersen ins internationale Filmgeschäft nach Hollywood. Durch den Film erfuhr auch der Roman ein gesteigertes öffentliches Interesse. Durch den im Film hergestellten klaren Bezug zu U 96 wurde danach in der Rezeption des Romans sicherlich der Bezug U 96 für viele Leser konkretisiert, was keinesfalls im Interesse des Autors gelegen haben dürfte.

Der Erfolg des Romans „Das Boot“ und seiner Verfilmung führten dazu, dass U 96 zum sicherlich bekanntesten deutschen U-Boot wurde. Diese Artikel sollen ihren Leserinnen und Lesern in ihrer Gesamtheit einen Eindruck des technischen Detailreichtums und der Plausibilität der im Roman geschilderten Ereignisse vor dem Hintergrund der tatsächlichen Ereignisse, die nach Unterlagen des U-Boot-Archivs wie Kriegstagebüchern, Plänen, Zeichnungen, Fotografien und Betriebsvorschriften rekonstruiert wurden, liefern.

Im Artikel „Die Bombardierung von U 96 werden die tatsächlichen Ereignisse der Nacht des 30. November vor 75 Jahren und der folgenden Tage anhand seiner Kriegstagebücher dargelegt. Die Detailtiefe wurde schon in Hinblick auf den späteren Vergleich mit den Schilderungen in Roman „Das Boot“ gewählt.

Im Artikel „Der Roman „Das Boot““ findet eine allgemeine Betrachtung des Romans „Das Boot“ zum besseren Verständnis des folgenden Artikels statt. Anhand verschiedener Textbeispiele soll gezeigt werden, dass der Roman keinesfalls suggeriert, im Jahre 1941, das lediglich im Vorwort erwähnt wird, an Bord von U 96 zu spielen.

Der Artikel „Die Bombardierung von UA versucht die im Roman geschilderten konkreten Ereignisse, die auf den Fliegerangriff folgen, so zusammenzufassen, dass beim Vergleich mit den tatsächlichen Ereignissen der technische Detailreichtum sowie Umfang und Plausibilität von für den Roman vorgenommenen Dramatisierungen erkennbar werden.


75 Jahre U 96 “Das Boot” – Die Tagebücher des LIs Friedrich Grade in der Nordwest-Zeitung

Die Nordwest-Zeitung (NWZ) in Oldenburg veröffentlichte die heimlich täglich geführten, privaten Tagebuchaufzeichnungen des damaligen Leitenden Ingenieur Friedrich Grade über diese 7. Feindfahrt von U 96 jeweils auf den Tag genau 75 Jahre später. Diese Veröffentlichungen fanden zwar auch auf der Online-Präsenz der Zeitung statt, sind aber bisher lediglich kostenpflichtig zu betrachten. Sie werden von begleitenden Texten des Journalisten Gerrit Reichert, der dafür auch im U-Boot-Archiv recherchiert hat, historisch eingeordnet, ergänzt und kommentiert. Der inzwischen 100-Jährige Veteran hat auch sein bisher einziges und aller Wahrscheinlichkeit nach letztes Interview gegeben, aus dem Youtube-Videos zu sehen sind, in denen er sich auch zum Roman “Das Boot” und seinen Autor Buchheim äußert.

Friedrich Grade äußert sich im Interview mit der NWZ über Hintergrunde zum Roman das Boot. Bemerkenswert ist, dass der von ihm erwähnte “Bananentanz” -ein Besatzungsmitglied imitiert im Rahmen von improvisierten Feierlichkeiten im Bugraum den bekannten Tanz Josephine Bakers- im Roman gar nicht vorkommt, sondern eine Erfindung der Verfilmung ist. Buchheim selber lehnte diese Szene später als unrealistisch ab. Im Roman tanzt an einer Stelle ein Besatzungsmitglied selbstverliebt nackt im Bugraum, was von seinen Kameraden anscheinend lediglich mit einigen Flüchen bzw. einem Schulterzucken zur Kenntnis genommen wird. ( S. 329)