SM U 22 versenkt irrtümlich SM U 7

SM U 7 wurde am 21.01.1915 vor der holländischen Küste nördlich der Insel Ameland irrtümlich durch sein Kameradenboot SM U 22 mit einem Torpedo versenkt. Es gab nur einen Überlebenden.

Der einzige Überlebende, Bootsmannsmaat Karl Meyer schildert die Versenkung von SM U 7 ausführlich in seinem Bericht vom 21.01.1915:

Eine Aufnahme von U 7 vor dem ersten Weltkrieg, Foto: Deutsches U-Boot-Museum

Wir waren mit unserem Boot am 20.01.1915 mit Kurs nach Zeebrügge von Borkumreede in See gegangen. Es war empfindlich kalt. Der Wachoffizier Oblt. z.S. Doeberl und ich übernahmen die Turmwache. Um 09:20 Uhr sichteten wir eine Rauchwolke. Wir drehten sofort ab und hielten uns tauchklar. Bald darauf erkannten wir ein mit Kurs nach Emden fahrendes deutsches U Boot vom Typ U 19. Dieses gesichtete U-Boot feuerte in etwa 1.500 Metern Entfernung das Erkennungssignal. Das Signal wurde sofort von uns beantwortet. Damit schien die Begegnung abgeschlossen zu sein.

Plötzlich drehte das hinter uns fast außer Sicht gekommene andere U-Boot hart herum und folgte uns. Es gab nochmals das Erkennungssignal. Von uns wiederum beantwortet. Der Wachoffizier bat den Kommandanten auf den Turm und ich ließ meinen Obermatrosen heraufholen, damit wir Winksignale geben konnten. Der Wachoffizier war ganz erstaunt über die Manöver des anderen Bootes und sagte zu mir: „Was mag das Boot wollen?“ „Oh“, antwortete ich „man traut uns wohl nicht recht und will uns etwas näher betrachten.“ Der Kommandant ließ nun stoppen, um jenem Boot das Näher kommen zu erleichtern. Dieses begann uns mit Winkflaggen anzurufen. Unser Obermatrose zeigte verstanden. Da sahen wir das auf dem anderen Boot weiter gewinkt wurde, man konnte unser Zeichen „verstanden „ dort nicht sehen, denn der Beobachter musste mit unbewaffneten Auge in den Hagel und die Böen sehen. Als wir bemerkten, das der Winker auf dem anderen Boot von seinem hohen Stand herabstieg, ließ unser Kommandant seinerseits anwinken und befahl den Winkspruch :„Was wollen sie?“.

Da, sehen wir kurz nacheinander zwei starke Luftblasen am Bug des anderen Bootes, das jetzt in ungefähr 400-500 m Entfernung stand, erscheinen. Bruchteile von Sekunden genügten um uns aufzuklären. „Torpedo!“ schrien der Wachoffizier und ich wie aus einem Munde. Ich beugte mich in den Turm und rief: „Beide Maschinen äußerste Kraft zurück!“ Ehe ich mich wieder aufrichten konnte, nahm ich ein leises Surren und Pfeifen wahr, sah einen Schatten im Wasser am Bug unseres Bootes vorbeilaufen und dann kam das Chaos. Ich sah und hörte nichts von einer Detonation.

Ich kam erst zu mir, als ich mich mit den drei anderen Leidensgefährten, die mit auf dem Turm gewesen waren, im Wasser fand. Überall aufgeregte See, Blut und unser Schreien. Wir kämpften hart um unser Leben. Mit meinem linken, heil gebliebenen Auge sah ich, wie einer meiner Gefährten nach dem anderen unterging. Der Torpedo hatte ganze Arbeit getan. Ich kämpfte verzweifelt allein weiter, da sah ich das Boot, das auf uns geschossen hatte, näher kommen. Ich geriet noch in das Schraubenwasser und sah Menschen über mir arbeiten, um mich aus dem Wasser zu ziehen. Ich erkannte den Oblt. z.S. Dewitz, der früher mit mir auf U 18 gewesen war und vermeine noch jetzt seinen ungläubigen, verzweifelten Ruf zu hören: „Meyer, sind Sie das?“ „ U 7“ antwortete ich mit meiner letzten Kraft.

Als man sich auf dem Unglücksboot U 22 um mich zerfetzten, schier leblosen Blutklumpen bemühte, da kam mir im Halbdusel zum schrecklichen Bewusstsein, das der Bruder den Bruder erschlagen hatte.

Albrecht v. Dewitz, der Wachoffizier von U 22, beschreibt das furchtbare Ereignis wie folgt:

SM U 22 auf der Kieler Förde vor dem ersten Weltkrieg. Foto: Deutsches U-Boot-Museum

Nach einer längeren Unternehmung kehrte U 22 am 21.01.1915 in die Ems zurück und steuerte von Nordwesten kommend Westerems – Ansegelungstonne an. In der Nähe von Ameland kamen bei starkem Schneesturm mit hohem Seegang die Umrisse eines U-Boots heraus. In Anbetracht des letzten Funkspruchs aus Borkum: „Vorsicht, englische U-Boote vor der Ems“, musste es eigenartig berühren, das unser Erkennungssignal (weißer Stern, der in viele rote Sterne zerplatzt) nicht erwidert wurde. Trotz der geringen Entfernung (ca. 400 m) war bei dem Schneegestöber das U-Boot so entstellt, das es anhand des Taschenbuches der Kriegsflotten für ein englisches gehalten wurde.

Um nun Klarheit zu schaffen, wurde mit achterlicher Position an das westlich steuernde Boot heranmanövriert und ein zweites ES gefeuert. Nach mehreren Minuten wurde auch drüben ein weißer Stern, aber sehr flach abgeschossen, der bis zum Einfall ins Wasser keine roten Sterne zeigte ( wie sich später herausstellte, weil er eben zu flach geschossen war). Es muss an dieser Stelle noch betont werden, dass kurz vor dem in See gehen ein Befehl des FdU, mit dem neuen ES herauskam, in welchem noch besonders darauf hingewiesen wurde, das die ES so früh und so deutlich wie möglich gegeben werden müssten. Um so mehr wurde Kapitänleutnant Hoppe in seiner Vermutung bestärkt, das es ein englisches U-Boot sei, das durch das Schießen eines einfachen weißen Sterns, den ja schließlich jedes Fahrzeug hatte, uns täuschen und möglichst nahe heran locken wollte. Es wurde nun noch ein Weiteres zur Klärung unternommen, indem U 22 mit äußerster Kraft das ebenfalls hohe Fahrt laufende Boot aufzuholen versuchte.

Nach halbstündiger Fahrt waren wir bis auf 800 m herangekommen und winkten nun längere Zeit mit Winkflaggen vom höchsten Punkt des Bootes aus an, ohne Antwort zu erhalten. Bei der geringen Entfernung wurde infolge des Schneesturms das Boot als ein englisches angesprochen und nun abgedreht, um es im Überwasserangriff zu vernichten. Zum Schluss, als unser Anlauf begann, lief U 7 starke Zickzackkurse. Infolgedessen ging der erste Torpedo vorbei, während der zweite Mitte Turm traf.

Es mag sein, das infolge der anstrengenden Unternehmung und bei dem eisigen Wetter eine gewisse Nervosität den Glauben an die vermeintliche englische Falle unterstützt hat. Immerhin war jeder auf U 22, der das so unendlich Tragische miterlebt hat, der festen Überzeugung eines glänzenden Erfolges über ein englisches U-Boot. Um so furchtbarer war der Moment, als beim Herankommen an die Überlebenden jemand rief: “Deutsches U-Boot!“ Den Bootsmaat Meyer habe ich mit großen Schwierigkeiten retten können, obwohl er bei dem vielen voll gesogenen Zeug drohte, in den Sog der rückwärts schlagenden Schrauben zu kommen. Als ich dann nach vorne kam, waren die anderen schon größtenteils gesunken. Zwei Leute waren etwa einen halben Meter unter der Wasseroberfläche noch im sinkenden Zustand zu sehen. Meinen Versuch mit einer Flaggenleine um den Bauch nach zu springen verhinderte Kapitänleutnant Hoppe. Tatsächlich wäre bei dem hohen Seegang auch nichts mehr zu machen gewesen. Ob Doeberl noch außenbords geschwommen hat, oder er schon mit der Detonation umkam, vermag ich nicht zu sagen.

Ich brauche wohl nicht noch zu erwähnen, wie unsagbar nahe mir das alles gegangen ist, und vor allem wie schmerzlich ich den Tod unseres lieben Doeberl bei dieser Gelegenheit empfunden habe.

Lesen Sie auch das
Gutachten des Flottillenchefs zu den Verhandlungen über den Untergang von U 7
um zu erfahren, wie die U-Boot-Führung dieses Ereignis betrachtete.

Quelle:

  • Bootsordner SM U 7 im U-Boot Archiv

Recherche: Rainer Stührenberg