Sir F. Hinsley

Artikel (Auszug) aus dem Jahrbuch 2011 – Seite 72 ff

Sir F. Harry Hinsley

Von Wolfgang Beeck

Im Bletchley Park nördlich von London, dem Sitz des englischen Geheimdienstes im Zweiten Weltkrieg, waren hochqualifizierte Wissenschaftler und Kryptologen tätig. In der Sektion 8 (hut 8) wurden die deutschen U-Boot-Funksprüche entschlüsselt. Zu den Mitarbeitern von hut 8 zählte neben dem bekannten Mathematiker Alan Turing auch Harry Hinsley. Er hatte an der Universität Cambridge Geschichte studiert und wurde 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, als Zivilangestellter nach Bletchley Park dienstverpflichtet. Am Anfang seiner Tätigkeit bestand seine Aufgabe darin, deutsche U-Boot-Funksprüche auf Anhaltspunkte wie z. B. auf geplante Aktionen zu analysieren. So im April 1940,- als er der Admiralität starken Schiffsverkehr von der Ost- zur Nordsee meldete, sowie verstärkten Funkverkehr. Es war der Beginn der Besetzung Norwegens durch deutsche Truppen.

Bei der Analyse deutscher Funksprüche kam Hinsley der Gedanke, daß man für die Entschlüsselung mehr “aktuelle” Informationen benötige. Er schlug daher vor, diese Unterlagen/Dokumente durch Kaperung deutscher Wetterschiffes, deren Funksprüche er laufend auswertete, zu beschaffen. Da die Wetterschiffe in der Arktis und im Nordmeer über Monate dort stationiert waren, mußten sie für diesen Zeitraum auch über die jeweiligen Schlüssel verfügen, bzw. mit diesen ausgerüstet sein.

Die Admiralität folgte dem Vorschlag von Hinsley mit großem Erfolg: Die gekaperten Wetterschiffe, wie “Krebs”, “München”, “Lauenburg” brachten die Engländer in den Besitz wertvoller Schlüsselunterlagen, und sogar von ENIGMA-Schlüsselmaschinen. Das Beachtenswerte bei diesen Aktionen war auch, dass die Aktionen streng geheim gehalten wurden. Es dauerte nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis 1974, ehe diese Aktionen bekannt wurden.

Dies galt auch für alle Fälle, bei denen beschädigte und zum Auftauchen gezwungene deutsche U-Boote ihre Ge-heimdokumente nicht mehr vernichten konnten. Beispiel hierfür ist U 505, das in Chicago / USA in einem Museum ausgestellt ist. Ungeachtet der zahlreichen Veröffentlichungen in England und den USA über den Einbruch der Alliierten in den deutschen Funkschlüssel während des Zweiten Weltkriegs, war der damalige BdU bis kurz vor seinem Ableben davon überzeugt, dass dies nicht gelungen war.

F. Harry Hinsley wurde für seine Mitarbeit an zahlreichen Veröffentlichungen über den Kriegsverlauf im Zweiten Weltkrieg in England zum Ritter geschlagen.