Rössler, Eberhard

Rössler, Eberhard
Die schnellen Unterseeboote von Hellmuth Walter
(Bernhard & Graefe 2010, 160 Seiten, zahlreiche Abbildungen, 24,- €, ISBN 978-3-7637628-59)

Eberhard Rössler, der allseits geschätzte U-Boot-Fachbuchautor, legt nach zahlreichen Veröffentlichungen 2010 ein weiteres Buch zur Geschichte des deutschen U-Bootbaus vor, diesmal zu den Entwicklungen von Hellmuth Walther mit dessen revolutionären Ideen und Konstruktionen von Antrieb und der äußeren Gestaltung von U-Bootsrümpfen. Er hat dieses Buch im Frühjahr 2009 abgeschlossen. Mit diesem Buch werden frühere Arbeiten zu den Walter-U-Booten zusammengefasst und erweitert, insbesondere seine anlässlich einer Sonderausstellung zu Prof. Hellmuth Walter v. 26.08.-05.11.2000 im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven verfasste Sonderschrift „Hellmuth Walter (1900-1980) – Seine Unterseeboote und ihre Hochleistungsantriebe“.

Auf 147 Seiten Text, durch zahlreiche, oft noch nie veröffentlichte Bilder ergänzt, beschreibt Rössler die Entwicklung von Hellmuth Walthers ersten Ideen 1933 zu einem neuen Antrieb bis hin zu dessen konstruktiver Umsetzung ab 1941 im U-Bootbau in der Kriegsmarine, aber auch dem Torpedovortrieb und anderen möglichen Anwendungen in der Antriebstechnik.

Man erfährt, in dieser Dichte bisher nicht bekannt, von Walters genialen Entwürfen eines neuartigen Antriebsverfahrens und neuartiger Rumpfformen für schnellfahrende U-Boote. Rössler geht dabei einerseits natürlich auf viele technische Details ein, widmet andererseits aber auch den Abläufen in der Rüstungspolitik und -wirtschaft breiten Raum. Mit Rösslers Darstellungen wird klar, warum eine in ihrer technischen Reife weit vorangeschrittene Entwicklung im U-Bootbau letztlich scheiterte, immerhin absolvierte das Walter-Versuchsboot V 80 in den Jahren 1941/1942 fast 100 Fahrten und erreichte am 08.07.1942 mit gemessenen 26,5 Knoten eine bisher nie erreichte Unterwassergeschwindigkeit.

Lesenswert auch Rösslers Ausführungen zum Schicksal von Walters Entwicklungen nach den Krieg, angefangen von den Erprobungen der Royal Navy mit dem ehemaligen Front-U-Boot U 1407, der Integration von Walter-Antriebsverfahren in den sowjetischen U-Booten der „Quebec“-Klasse, bis hin zur Entstehung der Klasse 212 der Bundesmarine ab 1987 mit ihrem außenluftunabhängigen Antrieb. Wir lernen auch von der Fortführung von Walters Entwicklung von Torpedo-Hochgeschwindigkeitsantrieben nach dem Krieg bei anderen Marinen, bis hin zu den schweren Unglücken mit solchen Torpedos bei der Royal Navy auf HMS Sidon am 16.06.1955 oder der russischen Kursk am 12.08.2000.

Der Leser, der mehr der historischen Wissenschaftlichkeit verpflichtet ist, wird zwar gerne die zumeist in kursiv geschriebenen und auch mit Quellenangaben versehenen Originalzitate vermerken, gleichwohl aber an Stelle dessen ein sonst als Standard gewohntes Anmerkungsverzeichnis vermissen. Auch scheint das Literaturverzeichnis mit gerade 13 Nennungen, davon 3 des Autors selbst, ausbaufähig, bis auf zwei Autoren werden die zum Teil beachtlichen Veröffentlichungen im Ausland überhaupt nicht erwähnt.

Insgesamt schließt Rösslers Buch eine Lücke lange vermisster Aufarbeitungen in der Geschichte des U-Bootbaus, bietet es doch mit der von ihm gewohnten Detailtreue und sorgfältigen Recherche die Darstellung eines Kapitels in der Technik der Unterwasserfahrt an, welches weit vor unserer Zeit bereits Ergebnisse erbracht hat, die dann erst Jahrzehnte später zum Standard im modernen U-Bootbau geworden sind.

Ein sehr empfehlenswertes Buch zu den revolutionären Walter-U-Booten für jeden Technik-Enthusiasten, aber auch jeden Marinehistoriker. Rössler widmet sich nicht nur der Technik-Geschichte, sondern zeigt auch rüstungspolitische Zusammenhänge auf – und dies nicht nur beschränkt auf die entsprechenden Rüstungsentscheidungen in der Kriegsmarine, sondern auch solche in anderen Marinen und der Bundesmarine.

Peter Monte, Deutsche U-Boot Museum, 26.07.2012