Offley, Ed

Offley, Ed
The Burning Shore – How Hitler´s U-boats brought World War II to America
Basic Books, New York, March 2014,
ISBN: 978-0-465-02961-7, 27,99 $/ 20,30 €

Der ehemalige Offizier der US Navy und seit 1981 vornehmlich militärpolitische und -historische Journalist Ed Offley legt nach seinen sehr gut aufgenommenen Büchern „Scorpion Down“ über das 1968 verunglückte Atom U-Boot der US Navy USS Scorpion vom Mai 2007 und „Turning the Tide“ über die Wende im U-Bootkrieg im Atlantik im Frühjahr 1943 vom April 2011 nun sein neuestes Werk vor. Dieses nimmt Erkenntnisse aus seiner Recherchearbeit über den U-Bootkrieg vor den nord-amerikanischen Küsten auf. Umfangreiche Nachforschungen und persönliche Interviews führten Offley dann u.a. auf eine längere Reise durch Deutschland, die ihn auch mehrere Tage in das U-Bootarchiv nach Cuxhaven brachten. Offley hat die vielen Details, die er über die ersten U-Boote der Kriegsmarine gesammelt hatte, die Anfang 1942 dicht vor den Küsten Nordamerikas operierten, insbesondere eine Fülle von persönlichen Unterlagen aus dem Nachlass von Beteiligten, zum Anlass genommen, daraus eine Darstellung der Vorgeschichte und des eigentlichen Ablaufs des Einsatzes deutscher U-Boote in den ersten Monaten 1942 vor Nordamerika und deren Bekämpfung durch die US Streitkräfte zusammenzutragen.

Dabei widmet er sich besonders dem Einsatz von U 701 unter KptLt Horst Degen und dem Kommandanten eines A-29 „Hudson“ Bombers der USAAF, dem Lieutenant Harry J. Kane, der U 701 am 07.07.1942 vor den Outer Banks in North Carolina versenkt hatte. Bekanntlich überlebte KptLt. Degen mit einigen seiner Männer die Versenkung. Nach dem Krieg kam es ab Oktober 1979 durch Vermittlung des „Hamburger Abendblatts“ zu einem wunderbaren Kontakt der beiden beteiligten ehemaligen Kriegsgegner und 1982 trafen sich beide Männer mit ihren Familien in Deutschland. Inzwischen sind beide gestorben, Kane 1990 und Degen 1996.

Ed Offley hat die Geschichte des Seekrieges dieser ersten Monate 1942 vor der nordamerikanischen Küste um die Erlebnisse beider Männer in ihren jeweiligen Einheiten gewebt, Degen auf seinem U-Boot und Kane in seiner Fliegerstaffel. Daraus ist ein Buch mit 256 Seiten Text in 12 Kapiteln sowie einer Einleitung und einem Epilog entstanden. Das Buch enthält u.a. weitere 3 Seiten Begriffserklärungen und allein 18 Seiten mit insgesamt 142 Anmerkungen. Damit werden auch geschichtswissenschaftliche Ansprüche in bestem Maße erfüllt, nahezu alle wesentlichen Aussagen sind belegt.

Nach einer Einführung in die Lebensläufe von Degen und Kane setzte Offley zunächst den militärpolitischen und strategischen Rahmen auf alliierter und deutscher Seite, wie er zu der Lage Anfang 1942 führte, also unmittelbar nach dem Kriegseintritt der USA. Die folgenden Kapitel sind chronologisch geordnet und schildern, immer im Wechsel, die Erlebnisse von Degen auf seinen ersten beiden Unternehmungen mit U 701 und Kanes Einsätze als Pilot in seiner Staffel. Der Höhepunkt des Buches wird sicherlich erreicht, wenn Offley die erste „Begegnung“ von Degen und Kane schildert, die zur Versenkung von U 701 auf dessen dritter Unternehmung, aber auch der Rettung von Degen und leider nur wenigen Männern seiner Besatzung führte. Dies wir mit großen Detailierungsgrad unter Nutzung von Zeitzeugenaussagen getan und macht Geschichte in der Tat lebendig.

Das Buch ist aber keineswegs eine nüchternde, marinehistorische Abhandlung. In gutem angelsächsischen Stil und seinen journalistischen Hintergrund nicht verleugnend, schreibt Offley durchweg in treffsicheren Formulierungen, die phasenweise packend sind und das dargestellte Geschehen ungemein verständlich, ja emotional erleben lassen. Man versteht nun ein weiteres Mal und viel besser, wie die deutschen U-Bootbesatzungen in jenen ersten Monaten 1942 auf eine noch ziemlich unvorbereitete Küstenverteidigung und U-Bootabwehrfähigkeit der USA trafen und warum diese Phase der U-Bootkrieges bei vielen „Glückliche Zeiten“ wegen der noch leicht zu erzielenden Versenkungen genannt wurden, ohne dabei das Leid der betroffenen Handelsschiffsbesatzungen zu vergessen.


Fazit:

Ed Offley hat einen geschickten Ansatz damit gewählt, dass er eine Phase des U-Bootkrieges anhand der Schicksale zwei beteiligter Kriegsgegner darstellt und bewertet. Das ist ihm rundum gelungen, das Buch liest sich sehr gut und erweitert die marinegeschichtlichen Kenntnisse ungemein. Es ist eine vorzügliche Bereicherung der Geschichtsschreibung über den U-Bootkrieg im Atlantik


Verfasser: Peter Monte am 10.04.2014