Kapitel 23

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Der Hilfskreuzer-Raum

Kurz nach dem Einzug in das Haus Altenbrucher Bahnhofstrasse 57 fand in Altenbruch ein Besatzungstreffen des Hilfskreuzers AtlantisSchiff 16 – statt. Es waren damals etwa 90-100 Personen, die wir durch unser Haus führten – nur das vordere Haus, ab dem heutigen Durchgang nach hinten ging es in den  Schweinestall, dann weiter in den Kuhstall und die Scheune.

Die Kameraden vom Hilfskreuzer waren von dem, was sie sahen, schon so angetan, daß sie spontan äußerten, daß sie eines Tages ihre Erinnerungsstücke in unser Museum geben wollten. Bei einem Grenzwellensender, der im Vorderhaus stand, jubelten die Funker, weil  es just ein solches Gerät war, wie sie es an  Bord hatten. Ich sagte ihnen zu, daß sie einen eigenen Raum bekämen.  Ich hatte ja schon seit dem Einzug mit dem Gedanken gespielt, wenigstens  einen Teil des Schweinestalles auszubauen, – alles andere war so baufällig, daß wir abreißen mussten.

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Der Hilskreuzer Atlantis

Der Ausbau geschah Anfang 1990 – und bald kamen von den HK-Kameraden die ersten Ausstellungsstücke: Eine Weltkarte mit dem Kurs, den der HK Atlantis in 655 (!!!) Tagen bis zu seiner Versenkung zurücklegte und den Grenzwellensender stellten wir in dem neuen Raum auf, und von Frau Anni Böcker wurde uns ein Modell vom HK Atlantis in der „Verkleidung” des japanischen Frachters Kasii Maru geschenkt, das ihr verstorbener Mann, der ehemalige Bootsmaat Werner Böcker, Besatzungsmitglied des Schiffes, gebaut hatte. Ein Foto von ihm auf seinem Werk ehrt ihn.

Kommandant war KzS  Bernhard Rogge von Indienststellung im Dezember 1939 bis November 1941.  Man bedenke, was es an Führungsqualität bedeutet, eine Besatzung von mehr als 300 Männern auf engem Raum ohne Landgang zusammenzuhalten. Mehrere Fotos erinnern an ihn.

Am 22.11.1941 wurden das Schiff bei der Versorgung von U 126 NW der Insel Ascension durch den britischen Kreuzer Devonshire so schwer beschädigt, daß Rogge Selbstversenkung anordnete. Acht Besatzungsmitglieder fielen, 305 überlebten den Beschuss, sie wurden von U 126 aufgenommen und in Rettungsbooten in Schlepp genommen, bis sie nach zwei Tagen an den Versorger Python übergeben wurden, den bald das gleiche Schicksal traf wie die Atlantis.  Er wurde von dem britischen Kreuzer Dorsetshire am 01.12.1941 entdeckt und versenkte sich ebenfalls selbst.

Beide Besatzungen wurden in einer einmaligen Aktion deutscher und italienischer U-Boote (U A, U 68, U 124 und U 129 – sowie Enrico Tazzoli, Giuseppe Finzi, Pietro Calvi und Luigi Torelli) nach Frankreich gebracht. Bis auf elf  Mann (beider Besatzungen) kamen alle bis Ende Dezember nach Hause. 1993 besuchte Frau Detmers, die Witwe von KzS Theodor Detmers, Kommandant des HK Kormoran das Archiv, war angetan, daß es einen Hilfskreuzer Raum gab und bat, daß ihr Mann darin auch eine Heimstatt fände, – sie gab ein großes Foto her, das im Raum über der Tür hängt, – so ist er auch vertreten, – in der Literatur in dem Schrank mit Glas-Oberteil ja sowieso !

Ein weiterer HK-Kommandant findet  mit einem Foto auch seinen Platz im Raum: KzS – später Konteradmiral – Kurt Weyher, der von Dezember 1939 bis Oktober 1941 Kommandant des Schiff 36, HK Orion war. Er ist der Vater des zeitweiligen Inspekteurs der Bundesmarine. In dem Schrank befindet sich Hilfskreuzer-Literatur, kleine  Modelle, Artikel und Filmmaterial.