Indienststellungs-Zeitung

Die Indienststellung eines neuen U-Bootes war stets ein sehr feierliches Ereignis, an dessen Anfang die militärische Indienststellungszeremonie stand. Für diese wurde das neue Boot geschmückt und die uniformierten Teilnehmer trugen ihre Paradeuniform. Der Kommandant hielt eine kurze Ansprache an die auf dem Achterdeck angetretene Besatzung, worauf sein Befehl folgte, zum ersten mal die Flagge zu hissen. Es wurden Gruppenfotos der Besatzung auf dem Boot gemacht. Gab es zivile Teilnehmer, wie z. B. Bürgermeister von Patenstädten o. Ä. so konnten diese auch das Boot besichtigen

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Die Besatzung bei der Indienststellung von U 1305 mit Wolfgang Lüth (Mitte) als Ehrengast

Auf das militärische Zeremoniell folgten die Feierlichkeiten zur Indienststellung. Bei großen Werften fanden diese meist in entsprechenden Räumlichkeiten auf dem Gelände der Bauwerft statt, zum Teil – wie auch bei unserem Beispiel einer Indienststellungsszeitschrift – aber auch in zivilen Gaststätten. Den Teilnehmern wurde ein Festessen mit reichlich alkoholischen Getränken serviert. Es gab musikalische Untermalung, damals von einer Kapelle und verschiedene Darbietungen der Gäste. Wie heute bei hohen Festen auch noch wurde eine humorvolle Festzeitschrift angefertigt. Die Besatzungen der neuen Boote hatten ein großes Interesse, dieses für sie so besondere Ereignis schließlich mit ein rauschendes Fest zu begehen.

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Bei der Indienststellung von U 172 am 05.11.1941 herrschte an Bord augenscheinlich eine ausgelassene Stimmung.

Als Beispiel für solche Festzeitschriften, die zahlreich in unseren Bootsblättern überliefert sind, präsentieren wir Ihnen hier die Boots-Zeitung von U 1305. Dieses Boot wurde am 30. Juli 1943 bei der Flensburger Schiffsbau-Gesellschaft auf Kiel gelegt und hatte am 11. Juli 1944 seinen Stapellauf. Zu seiner Indienststellung am 13. September 1944 durch Oblt. Helmuth Christiansen wurde diese Zeitung verfasst. Bis zum 15. März 1945 durchlief das Boot anschließend seine Frontausbildung bei der 4. U-Flotille und wurde dann Teil der 33. Flotille. Am 4. April 1945 lief U 1305 vom norwegischen Stavanger zu seiner ersten Feindfahrt aus, die es vor den Nordkanal führen sollte. Nur durch seinen Schnorchel konnte das Boot in diesem Seegebiet, das bereits 1940 schon einmal Schwerpunkt von U-Boot-Operationen war der alliierten Lufthoheit zum Trotz überhaupt noch operieren. Am 24. April 1945 meldete es die Versenkung eines Dampfers nahe der irischen Nordküste, dabei handelte es sich möglicherweise um den 878 BRT großen britischen Dampfer Monmouth Coast. Zwei Tage nach Kriegsende ergab sich U 1305 im schottischen Loch Eriboll den Allierten von wo aus es am 14. Mai in das nordirische Lisahally überführt wurde. Am 4. Dezember wurde es der sowjetischen baltischen Flotte überstellt, der es mit neun weiteren Booten von der Tripartite Naval Commission (TNC) als Kriegsbeute zugesprochen wurde.  Von 1949 bis 1955 fuhr das Boot unter sowjetischer Flagge als S 84 für die baltische Flotte. Am 10. Oktober 1957 wurde es bei einem Atombomtest bei Novaja Semlja zerstört.

Bei langen Fernfahrten ließen Kommandanten auch Bordzeitungen von der Besatzung anfertigen um die Langeweile zu bekämpfen und die Besatzung sinnvoll zu beschäftigen. Auch von diesen Zeitungen sind einige im U-Boot-Archiv erhalten.

Text: Kai Steenbuck – Fotos: Deutsches U-Boot-Museum