Strandgut – September

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US-Behörde veröffentlicht Bilder und Video von U 576

Im  August 2014 konnte das Wrack von U 576 ca. 60 km vor Kap Hatteras eindeutig identifiziert werden, wie wir in der Strandgut-Ausgabe Dezember 2014 berichteten. Schon 2009 hatte die Monitor National Marine Sanctuary, das als Unterbehörde der National Oceanic and Atmospheric Administration, der nationalen Wetter- und Ozeanografiebehörde der USA, als Kurator von unterseeischen Schutzgebieten um Wracks fungiert, eine Suche nach den Überresten der Schlacht um den Konvoi KS-520 am 15. Juli 1942, U 576 und das von ihm versenkte 2.053 BRT große nicaraguanische Motorschiff Bluefields, gestartet. Mit hochentwickeltem hochauflösendem Sonar wurde der Meeresgrund im  Seegebiet, in dem man die Wracks vermutete, großflächig abgesucht, wobei zunächst 47 Sonarziele ausgemacht wurden, bei denen eine nähere Untersuchung aussichtsreich schien. Tatsächlich konnten dann nur die 7 Ziele näher untersucht werden, bei denen die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um die gesuchten Wracks handelt, als am grössten angesehen wurde. Eins der Ziele entpuppte sich dann tatsächlich als U 576 in 219 m Tiefe nur ca. 250 m  von dem Wrack der Bluefields entfernt liegend.

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Eines der Tauchboote wird von der Baseline Explorer aufgenommen Foto: David Sybert, UNC Coastal Studies Institute – Battle of the Atlantic expedition

Im Jahre 2015 wurden die beiden Wracks in das National Register of Historic Places aufgenommen, einem nationalem Programm um öffentliche und private Bemühungen, Amerikas historisches und archäologisches Erbe zu bewahren und auszuwerten, zu fördern und zu koordinieren.

Am 25. August 2016 stach das Forschungsschiff Baseline Explorer zu einer 15-tägigen Expedition zur Untersuchung von Schiffswracks aus der Schlacht im Atlantik in See. Die Expedition fand unter Federführung des Monitor National Marine Sanctuary in Kooperation u. A. mit dem NOAA Office of Ocean Exploration, einer US-Bundesbehörde, die die Erforschung der Ozeane zur Aufgabe hat, der privaten Initiative Project Baseline, die engagierte Bürger in die Lage versetzen möchte, Veränderungen der unterseeischen Umwelt beobachten und aufzeichen zu können, und dem University of North Carolina Coastal Studies Institute statt. Von der Baseline Explorer wurden bei dieser Expedition neben zwei Tauchbooten vom Typ Triton 1000/2, die 2 Personen befördern und bei einer Ausdauer von bis zu 10 Stunden bis zu 300 m tief tauchen können, auch das unbemanntes Unterwasserfahrzeug Bluefin eingesetzt. Mit Hilfe eines auf einem der Tauchboote installiertem Systems für Laser Line Scanning, wurden hochpräzise Vermessungen der Wracks und des umliegenden Meeresgrundes vorgenommen. Die gewonnenen Daten wurden nicht nur archäologisch sondern auch biologisch ausgewertet, indem man die in diesem speziellen Habitat lebenden Arten katalogisierte und anhand der Daten örtlich bestimmte. Größere Flächen des Meeresgrundes wurden vom hochauflösenden Multibeam-Sonar des Bluefins abegtastet, wobei sogar einzelne Fische ausgemacht werden können, so dass auch mit diesem System biologische Untersuchungen durchgeführt wurden.

During the very first dive of the expedition, scientists located and explored the German U-576. This was the first time since the submarine was sunk on July 15, 1942, that anyone had laid eyes on the vessel. Here, Project Baseline's Nemo submersible shines its lights on the U-boat lying on its starboard side, showing the submarine's conning tower and the deck gun in the foreground. Image courtesy of John McCord, UNC Coastal Studies Institute - Battle of the Atlantic expedition.
Der Turm und das Deckgeschütz von U 576 im Scheinwerfer eines der Tauchboote. Foto: John McCord, UNC Coastal Studies Institute – Battle of the Atlantic expedition.

Auf dieser Expedition, auf der die Untersuchung der Wracks des KS-520 einen ganz besonderen Stellenwert hatten, wurde das präsentierte Video gedreht und eine Vielzahl von Fotos gemacht. Das Wrack von U 576 präsentierte sich in einem Stück und angesichts der 74 Jahre, die es nun im Wasser liegt, sehr gut erhalten. Dieser Ort sei der einzige in US-Gewässern, bei die Überreste beider Seiten einer Geleitzugschlacht so nahe beieinander liegen, so der Leiter der Expedition Joe Hoyt vom Monitor National Marine Sanctuary. Man hoffe mehr über die Schlacht und den Lebensraum, den die Wracks heute bieten zu erfahren.

Rechtlich gesehen befindet sich das Wrack noch in deutschem Besitz, die deutsche Regierung hat die amerikanische darum ersucht, das Wrack zu erhalten und unter Schutz zu stellen. Es wird von beiden Regierungen als Kriegsgrab angesehen, da die gesamte Besatzung mit ihrem Boot unterging.

Quellen:

 

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