Strandgut – März

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Atom-Uboot mit X-Box-Controller in Dienst gestellt

Am 17 März 2018 fand in der Naval Submarine Base New London in Groton im US-Bundesstaat Connecticut die feierliche Indienststellung des neuesten atomgetriebenen US-Jagd-U-Bootes USS Colorado statt. Sie ist das 15. Boot der Virginia-Klasse und das fünfte des verbesserten dritten Bauloses Block III, bei dem rund 20 % des U-Bootes zur Kostenersparnis neu entworfen worden sind. Die Colorado wurde 22. Dezember 2008 bei einem Konsortium der beiden amerikanischen Rüstungskonzerne General Dynamics und Huntington Ingalls Industries bestellt. Am 7. März 2015 wurde mit dem Bau bei Newport News Shipbuilding in der gleichnahmigen Stadt in Virginia begonnen. Nach einer Bauzeit von einem Jahr und neun Monaten konnte die Colorado bei ihrem Stapellauf am 3. Dezember 2016 feierlich getauft werden. Die Zeit bis zu seiner Indienststellung verbrachte das U-Boot mit der Endausrüstung und Erprobungen in Groton. Die 134 Männer – obwohl Frauen generell auch auf U-Booten der US-Navy Dienst tun, befindet sich noch keine unter der Besatzung – auf dem derzeit modernsten Atom-U-Boot werden seit Anfang November 2017 von FrgtKpt. Reed Koepp befehligt.

Die Indienststellungszeremonie der USS Colorado (SSN 788) am 17.03.2018 in Groton, kurz bevor die Besatzung auf das traditionelle Kommando „Erweckt das Boot zum Leben“ an Bord stürmt. Foto U.S. Navy (Mass Communication Specialist 1st Class Steven Hoskins)


Das Typboot, die USS Virginia kehrt am 30. Juli 2004 von seiner ersten Hochseeerprobung nach Groton in die Werft zurück. Foto: U.S. Navy / General Dynamics Electric Boat

Die Virginia-Klasse

Bei der Virginia-Klasse handelt es sich um die neueste Generation von atomgetriebenen Jagd- und Angriffs-U-Booten der US-Navy.

Baujahr

ab 1999

Bauwerft

General Dynamics Electric Boat
Newport News Shipbuilding

Verdrängung

7.900 t

Länge über alles

115 m

Breite – größte

10 m

Tiefgang

10 m

Antriebsart

Druckwasserreaktor S9G (30 MW) , 1 Düsenringpropeller

Maschinenleistung

40.000 PS Dampfturbine

Geschwindigkeit

25+ kn

Reichweite

nur durch Proviant begrenzt

Tauchtiefe

240 m (Testtiefe)

Treibstoffvorrat

Brennstäbe

Bewaffnung

4 Bugtorpedorohre, 12 senkrechte Startvorrichtungen für
Tomahawk BGM-109 Marschflugkörper

Besatzung

135

Sie soll die in die Jahre gekommene Los-Angeles-Klasse ersetzen, nachdem sich die zum Ende des Kalten Krieges entworfene Seawolf-Klasse als zu kostspielig herausgestellt hatte. Mit einem Preis von 3-3,5 Milliarden US-Dollar pro Einheit belegt die Seawolf den zweiten Platz auf der Rangliste der teuersten U-Boote, nur noch geschlagen durch die französischen Atom-U-Boote mit ballistischen Raketen (SSBN) der Triomphant-Klasse mit einem Stückpreis von 4,3 Milliarden US-Dollar. Mit einem aktuellen Stückpreis von 2,7 Milliarden US-Dollar, wobei allerdings die Inflation von über zehn Jahren berücksichtigt werden muss, ist die Virginia-Klasse um einiges erschwinglicher. Diese Kostenersparnis wurde durch den Einsatz möglichst vieler ziviler Serienprodukte, besonders bei den digitalen Systemen des U-Bootes, erreicht.

Die Virginia-Klasse ist für ein sehr breites Einsatzspektrum ausgelegt. Sie kann nicht nur auf hoher See für die Bekämpfung von Über- bzw. Unterwasser- und auch Landzielen sowie für den Einsatz als Sonarvorposten von Flottenverbänden eingesetzt werden, sondern auch in flachen, küstennahen Gewässern, für Aufklärungs- und Spionagemissionen, für Minenkrieg mit speziellen Unterwasserdrohnen sowie das Absetzen von Einsatzkommandos.

Auf diesem Bild der Indienststellung der USS North Carolina am 03.05.2008 in Groton sind die beiden Optronikmasten (grün) des Bootes besonders gut zu erkennen. Foto US-Navy (Mass Communication Specialist 3rd Class Kelvin Edwards)

Statt konventioneller optischer Sehrohre verfügt die Virginia-Klasse über zwei Optronikmasten mit Hochleistungskameras, deren Daten durch Lichtwellenleiter in die Operationszentrale geleitet werden. Dadurch ist kein größerer Durchbruch durch den Druckkörper nötig und die Zentrale muss sich nicht mehr notwendigerweise unter dem Turm befinden.

Herzstück des Antriebs der Virginia-Klasse ist die neueste Generation von Kernreaktoren für U-Boote, die eine Leistung von 30 MW erbringt. Eine Besonderheit dieser Reaktoren ist, dass die nuklearen Brennelemente ein U-Boot-Leben lang halten und nicht wie bei anderen Atom-U-Booten kostspielig ausgetauscht werden müssen. Die Kraft wird mittels eines Düsenringpropellers anstatt eines konventionellen Propellers ins Wasser übertragen. Ein wesentlicher Vorteil des Düsenringpropellers ist, dass er vergleichsweise leise ist, da sich im Vergleich mit einem konventionellen Propeller mit erheblich niedrigeren Drehzahlen der gleiche Vortrieb erzeugen lässt. Durch die geringere Drehzahl ergibt sich auch ein entsprechend niedrigeres Risiko von besonders geräuschintensiver Kavitation.

Statt mit einem oder mehreren Steuerhörnern wird die Virginia-Klasse durch einen Sidestick gesteuert. Dazu kommt ein voll computerbasiertes Fly-by-Wire Steuerungssystem mit Lichtwellenleitern zum Einsatz.

Ständig modernisiert und auf dem neuesten Stand gehalten soll die Virginia-Klasse noch bis nach 2060 im Einsatz bleiben.

Ein X-Box-Controller

In vielen Medien, denen die Indienststellung eines neuen U-Bootes der US-Navy allein sicherlich keine Meldung wert gewesen sein dürfte, fand das Ereignis dadurch Erwähnung, dass bekannt wurde, dass zur Steuerung der Optronikmasten des Bootes Eingabegeräte für eine Computerspielkonsole der US-Firma Microsoft – landläufig X-Box-Controller – verwendet werden. Dies ist nicht nur ein besonders anschauliches Beispiel für die Verwendung von Teilen aus ziviler Serienfertigung zur Kostenersparnis, tatsächlich haben sich diese Eingabegeräte für Computerspiele auch an Bord als praktischer als die bisher verwendeten Joysticks erwiesen. Nach Aussagen des Kommandanten seien viele Besatzungsangehörige zudem schon aus ihrem Privatleben damit vertraut gewesen. Auch der Autor hat einen dieser X-Box-Controller an seinem privaten PC im Einsatz und kann sich der Meinung der US-Navy, dass es sich um ein besonders praktisches, durchdachtes und robustes Eingabegerät handelt, nur anschließen.

Das Militär, hier die US-Navy, benutzt Eingabegeräte für Videospiele – dieser Technologietransfer geht auch anders herum. Der Enthusiast für Flugsimulationen am Computer kann eine absolut originalgetreue Replik des Steuerknüppels des US-Erdkampfflugzeugs Fairchild-Republic A-10 Thunderbolt erwerben, die an den heimischen PC angeschlossen werden kann, um seinen Hobby zu frönen. Diese ist zwar relativ teuer, besticht aber durch ihre exzellente Verarbeitung sowie Handhabung.

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