Juli

U-Bootpläne für Taiwans Marine

Nach langer Pause wird in den Medien ein weiteres Mal über Pläne Taiwans berichtet, seine Marine mit neuen U-Booten auszustatten. Nach den Berichten reichen diese Pläne von möglichem Eigenbau in Taiwan von bis zu 10 neuen, 2.000 bis 3.000 t verdrängenden, konventionellen U-Booten, bis hin zur Beschaffung von gebrauchten U-Booten aus anderen Marinen. Diese Meldungen sind aber mit Vorsicht zu genießen, da es mit Ausnahme der USA bislang keinen seriösen Staat gibt, der bereit wäre Taiwan U-Boote zu verkaufen, auch nicht im Lizenzbau, denn die Problematik jeglichen Waffengeschäfts mit Taiwan gegen den Widerstand des mächtigen und inzwischen gesuchten Handelspartner Volksrepublik China ist nur zu bekannt.

Nur: Die USA haben seit mehr als 50 Jahren keine konventionellen U-Booten mehr gebaut. In den 90er Jahren stand auch die deutsche U-Bootindustrie mit Absichten zur Lieferung von U-Booten an Taiwan im Mittelpunkt der Diskussion, die aber nach dem endgültigen Aus durch einen Beschluss des Bundessicherheitsrates beendet sein dürften. Ein neues Momentum für U-Bootlieferungen nach Taiwan ergeben sich jedoch durch die aktuellen finanziellen Probleme einiger Staaten, die Abschied von kostspieligen Rüstungsprojekten nehmen müssen und deshalb eher bereit wären, Teile ihrer U-Bootflotte zu veräußern, allen voran wird in diesem Zusammenhang immer Griechenland genannt.

Was bleibt, ist vermutlich eine Modernisierung der vorhandenen beiden U-Boote der “Dragon”, auch “Hai Lung”-Klasse, in den nächsten Jahren.

Die Marine Taiwan betreibt offiziell immer noch 4 U-Boote. Das sind 2 sehr alte U-Boote der US-amerikanischen “Guppy II”-Klasse (Hai Shih/S-791, ex USS Cutlass, gebaut 1944/45 in USA, sowie Hai Bao/ S-792, ex USS Tusk, gebaut 1943/46 in USA), die 1973 von den USA an Taiwan übergeben worden und 2 ältere U-Boote der niederländischen “Zwaardvis”-Klasse. Während die Einsatzbereitschaft der beiden uralten ex US-Boote offiziell nur noch mit “Ausbildungseinheit” und “Zieldarstellungseinheit” für die U-Jagd-Ausbildung der Überwassereinheiten angegeben wird, scheinen die beiden, 1983-1987 bei Wilton-Feijenoord in Schiedam in den Niederlanden für Taiwan gebauten und 1987/ 1988 dort in Dienst gestellten U-Boote noch über eine uneingeschränkte Einsatzbereitschaft zu verfügen.

Am 28.06.2011 meldeten die Medien sogar den erstmaligen und erfolgreichen, U-Bootgestützten Verschuss von “Hsiung Feng II” (= Brave Wind II) Schiff-Schiff-FK. Die beiden U-Boote der “Dragon”-Klasse, Hai Lung/ S-793 (= Sea Dragon) und Hai Hu/ S-794 (= Sea Tiger) haben bei einer Länge von 66,9 m und einer Breite von 8,4 m eine Überwasserverdrängung von 1.900 t und eine Unterwasserverdrängung von 2.645 t, aufgetaucht erreichen die dieselelektrischen U-Boote 12 kn und unter Wasser bis zu 20 kn, die Einsatztauchtiefe wird mit bis zu 300 m angegeben und die Hauptbewaffnung sind 6 Torpedorohre 53,3 cm für den Verschuss von bis zu 20 mitgeführten Torpedos. Die Besatzung wird mit 67 Mann angegeben.

Quellen:

Feuer auf U-Boot der US Navy

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Die Miami 1993 in Port Everglades

Am Nachmittag des 23.05.2012 brach im Marinearsenal (Portsmouth Naval Shipyard) der US Navy in Kittery, Maine in den vorderen Abteilungen des SSGN der US Navy, der USS Miami (SSN-755), wo hauptsächlich Mannschaftsunterkünfte, Führungseinrichtungen und der Torpedoraum untergebracht sind, ein Feuer aus, das erst nach 10 Stunden in den frühen Morgenstunden des 24.05.2012 gelöscht werden konnte. Dazu musste sogar ein spezielles Schaumlöschfahrzeuge von der Flughafenfeuerwehr des rund 1 Stunde entfernten großen Flughafens von Boston-Logan herbeigeholt werden.

2 Besatzungsmitglieder und 5 Feuerwehrleute erlitten dabei Rauchvergiftungen. Die USS Miami war am 15.03.2012 in eine geplante 20 Monate dauernde Grundinstandsetzung in das Marinearsenal der US Navy gegangen und dafür in ein Trockendock verlegt worden. Wie immer in solchen Fällen war der nukleare Antriebsreaktor zuvor abgeschaltet und alle Waffen von Bord gegeben worden.

Am 06.06.2012 gab das Marinearsenal in Portsmouth einen ersten Bericht zu dem Feuer und seinen Folgen heraus. Danach soll das Feuer durch einen Schwelbrand in einem bordeigenen Staubsauger entstanden sein, der üblicherweise zum Reinigen der Arbeitsräume bei Wachwechsel benutzt wird und nach Gebrauch in einer nicht überwachten Gerätelast abgestellt wird. Die Aufräum- und Reinigungsarbeiten hätten inzwischen begonnen, vornehmlich Beseitigen der erheblichen Wasserschäden durch die Löscharbeiten, Einrichtungen von behelfsmäßiger Beleuchtung und notdürftige Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten. Als vorläufig geschätzte Reparaturkosten wurden erstmalig 440 Mill. USD genannt.

Die nuklear angetriebene USS Miami (SSN-755) wurde am 24.10.1986 von der General Dynamics Electric Boat (GDEB) U-Boot Werft in Groton, Connecticut in den USA auf Kiel gelegt, lief am 12.11.1988 vom Stapel und wurde am 30.06.1990 in Dienst gestellt. Sie gehört zur “Los Angeles” Klasse der SSN der US Navy, von denen zwischen 1972 und 1992 insgesamt 62 U-Boote gebaut wurden und zur Zeit noch 42 im aktiven Dienst sind. Die USS Miami verdrängt bei einer Länge von 110 m und einer Breite von 10 Metern aufgetaucht rund 6.300 t und getaucht rund 7.100 t. Die maximale Tauchtiefe dieses “Attack Submarine” wird mit 450 m angegeben, die Überwassergeschwindigkeit ist bis zu 22 kn und getaucht kann das U-Boot sogar 35 kn laufen. Das U-Boot hat 4 Bugtorpedorohre 53,3 cm und 12 VLS Starteinrichtungen zum Verschuss vom BGM-109 “Tomahawk” Cruise Missiles, die es z.B. 1998 im Irak- und Kosovo-Einsatz verschossen hatte. Die Besatzung beträgt 135 Mann.

In den Medien wird inzwischen wegen der sehr hohen Kosten zur Beseitigung der Feuerschäden spekuliert, dass die geplante Grundinstandsetzung der USS Miami möglicherweise abgebrochen wird und das 22 Jahre alte U-Boot vorzeitig außer Dienst gestellt wird. SSGN der “Los Angeles”-Klasse werden aber noch bis ca. 2025 ihren Dienst versehen und wegen der geringen Zulaufrate neuer SSGN noch lange das Rückgrat der SSGN-Flotte der US Navy bilden.

Quellen:

Auftrag für Reaktoren-Entwicklung für Nachfolge SSBN der “Vanguard”-Klasse der Royal Navy

Am 17.06.2012 meldeten die britischen Medien die bevorstehende Auftragsvergabe des britischen Verteidigungsministeriums an die Fa. Rolls Royce zur Entwicklung von zwei neuen Reaktortypen, von denen einer das Hauptantriebssystem für die in der Planung befindlichen Nachfolge-U-Boote der strategischen U-Boote der “Vanguard”-Klasse der Royal Navy sein wird. Interessant, dass der Auftrag mit einem Wert von 1 Mrd. GBP (= 1,2 Mrd Euro) durch den brit. Verteidigungsminister Philip Hammond von der Konservativen Partei erteilt wird, obwohl der Koalitionspartner der gegenwärtigen Regierung, die Liberalen, erheblichen Widerstand gegen das geplante “Vanguard”-Nachfolgeprogramm zeigt.

HMS Vanguard
HMS Vanguard

Diese fordern eine kostengünstigeren Lösung und haben bereits erreicht, dass der Zeitpunkt für den endgültigen Bauauftrag auf 2016 verschoben wird, nämlich nach der nächsten Unterhaus-Wahl. Nur wenige Wochen zuvor, am 22.05.2012 war auch ein 350 Mill. (= 420 Mill. Euro) GBP umfassender Auftrag zu Entwicklung des Nachfolge-SSBN für die “Vanguard”-Klasse erteilt worden.

Die grundsätzliche Entscheidung zur Beibehaltung einer U-Boot gestützten, nuklearen Abschreckung durch einem Nachfolgetyp der gegenwärtigen Träger der ballistischen FK vom Typ Trident II (D 5), den SSBN der “Vanguard”-Klasse, ist bereits am 04.12.2006 durch die damalige Regierung Blair gefallen und im britischen Weißbuch von 2010 bestätigt worden. Danach sollten 3 neue SSBN als Ersatz für die 4 “Vanguard” SSBN entwickelt werden und zwischen 2023 und 2027 zulaufen. Die Gesamtzahl der nuklearen Gefechtsköpfe auf den noch bis 2040 auf den britischen SSBN bereit-gehaltenen Trident II wird auf 160 reduziert. Die Gesamtkosten für das “Vanguard” Nachfolge-programm werden auf 15-20 Mrd. GBP (= 18-24 Mrd. Euro) beziffert.

Die erste Generation der britischen SSBN, die seit 1967-1969 in Dienst gestellten 4 U-Boote der “Resolution”-Klasse, wurde 1993-1999 durch 4 neue SSBN ersetzt (HMS Vanguard/ S-28 am 14.08.1993, HMS Victorious/ S-29 am 07.01.1995, HMS Vigilant/ S-30 am 02.11.1996 und HMS Vengeance S-31 am 27.11.1999). Diese SSBN verdrängen bei einer Länge von rund 150 m und einer Breite von 12,8 m über Wasser 14.891 t und getaucht 15.900 t. Die Geschwindigkeit wird über und unter Wasser mit 25 kn angegeben. Sie haben 16 Abschußschächte für den 1990 eingeführten ballistischen FK “Trident II” (dreistufig, Feststoffantrieb, bis zu 12 nukleare Gefechtsköpfe, Reichweite bis zu 10.000 km), wobei Großbritannien im Geiste des START I Abkommens zwischen den USA und Rußland diese nur noch mit maximal 8 Gefechtsköpfen bestückt und, so im britischen Weißbuch von 1998 nur noch maximal 48 Sprengköpfe und seit dem Weißbuch von 2010, nur noch maximal 40 Sprengköpfe pro SSBN mitführt, die Anzahl der “Trident II” pro Boot ist auf maximal 8 pro Boot reduziert worden.

Im Mai 2012 ist mit einem 350 Mill. GBP (= 420 Mill Euro) umfassenden Programm das SSBN HMS Vengeance in britischen Marinearsenal in Devonport in seine dreieinhalbjährige Grundinstandsetzung und Modernisierung („Long Overhaul Period“) gegangen, die u.a. auch eine Neubefüllung des Reaktors mit nuklearen Brennstäben vorsieht. Die als „Core H“ bezeichneten Brennelemente machen übrigens keine weiteren Befüllungen des Antriebs-reaktors mehr notwendig. HMS Vengeance ist damit das letzte SSBN dieser Klasse, das grundinstandgesetzt wird. Zuvor hatte HMS Vigilant am 28.03.2012 seine 300 Mill. GBP (= 360 Mill. Euro) kostende und 40 Monate lange Grundinstandsetzung abgeschlossen und wird zum Abschluss seiner Übungen zur Erreichung der vollen Einsatzbereitschaft noch in diesem Jahr auch einen Testverschuss eines „Trident II“-FK durchführen.

Der Streit in der britischen Koalitionsregierung um die Nachfolge der britischen nuklearen Abschreckung wirft ein bezeichnendes Licht auf die britische Rüstungsplanung, die seit Jahrzehnten gekennzeichnet ist von überambitionierten, aber regelmäßig völlig unterfinanzierten Projekten, die durchweg wesentlich teurer als geplant waren, zumeist Jahre verspätet und mit geringeren Stückzahlen zuliefen und in einigen Fällen sogar spektakulär trotz fortgeschrittener Entwicklung abgebrochen wurden. Allein die beiden geplanten, großen Rüstungsvorhaben der Royal Navy, die beiden großen Flugzeugträger mit ihren neuen STOL-Flugzeugen und die SSBN-Nachfolge wird den britischen Verteidigungshaushalt auf Jahre belasten, mit der Folge, dass Betrieb und Neuentwicklung der konventionellen Waffensysteme der Royal Navy schwere Eingriffe hinnehmen müssen und erhebliche Auswirkungen auf die bisherigen Fähigkeiten der Seestreitkräfte des Landes haben.

Quellen: