Geleitschlachten I

U 100 – Geleitzugschlachten im Atlantik unter Kapitänleutnant Joachim Schepke (Teil 1)

U 100 lief am 09. August 1940 unter seinem Kommandanten, Kapitänleutnant Joachim Schepke, zu seiner 1. Unternehmung aus Kiel aus. Sieben Tage später patrouillierte es nordwestlich von Irland, als es nach Mitternacht des 16. August 1940 ein Handelsschiff sichtete. Joachim Schepke ließ umgehend die Verfolgung des Dampfers aufnehmen. Um 09.27 Uhr schoss U 100 einen Torpedo-Zweierfächer aus Rohr I und II, der nach 85 und 95 Sekunden am Ziel detonierte. Gleich nach den Treffern bekam das Schiff Schlagseite nach Backbord und kenterte langsam. Auch das Achterschiff sackte tiefer, danach drehte sich der Frachter allmählich auf den Rücken und schwamm kieloben. Schließlich stellte sich der Havarist senkrecht und verschwand im Atlantik. Die Zeit von der Torpedierung bis zum Untergang des Schiffes betrug etwa 26 Minuten. Bei dem versenkten Dampfer handelte es sich um das britische Motorschiff Empire Merchant mit 4.864 BRT, das zum Konvoi OA.198 gehörte und wahr-scheinlich die Fühlung an diesem verloren hatte. Das Schiff war mit 200 Tonnen Stückgut und Post auf dem Weg nach Kingston auf Jamaica. Von der 55 Mann starken Besatzung kamen sieben ums Leben.

Kapitänleutnant Joachim Schepke - Kommandant von U 100
Kapitänleutnant Joachim Schepke – Kommandant von U 100

Am 25. August 1940 schoss U 100 um 19.08 Uhr einen Torpedo auf einen Einzelfahrer, der am Bug des Schiffes vorbeilief. Der um 19.12 Uhr abgefeuerte Torpedo traf nach 101 Sekunden Laufzeit im vorderen Laderaum. Als das Schiff keine Anstalten zum Sinken machte, feuerte Schepke um 19.30 Uhr einen dritten Torpedo. Kurz nach dem der Schuss aus Rohr II gefallen war, nahm der Dampfer unvermittelt wieder Fahrt auf, so dass dieser Torpedo hinter dem Schiff vorging. Um 19.34 Uhr lief der vierte Torpedo, diesmal aus Rohr III abgefeuert, auf dem Dampfer zu und traf in Höhe der Brücke. Aber immer noch wollte das Handelsschiff nicht sinken. Das Schiff über Wasser mit der Kanone zu versenken, fiel wegen der hohen Dünung aus, da kein Zielen mit dem Geschütz möglich war. Deshalb feuerte Schepke um 20.12 Uhr den fünften Torpedo, aus Rohr IV, auf den Dampfer, der unterhalb des Schornsteins traf. Unmittelbar nach der Detonation sank der Frachter, bei dem es sich um die britische Jamaica Pioneer mit 5.471 BRT handelte. Der Frachter hatte eine Ladung von etwa 1.900 Tonnen Bananen auf dem Weg nach Avonmouth in Großbritannien an Bord. Von der 54-köpfigen Besatzung fanden zwei Seeleute den Tod. Zusätzlich waren zwölf Passagiere an Bord, die mit der übrigen Besatzung gerettet wurden.

Am Vormittag des 28. August meldete U 56 die Position des Geleitzuges OA.204, den U 100 um 22.35 Uhr ebenfalls sichtete. Kurz nach Mitternacht am 29. August lief das deutsche U-Boot zum Angriff heran. Um 00.23 Uhr feuerte U 100 zwei Torpedos auf zwei anvisierte Ziele im Konvoi ab, die nach 183 Sekunden die britische Dalblair mit 4.608 BRT und nach 198 Sekunden den britischen Dampfer Hartismere mit 5.498 BRT trafen. Während die Hartismere aus eigener Kraft den Clyde erreichte, sank die Dalblair, deren Zielhafen Philadelphia in den USA war. Von der 43-köpfigen Mannschaft konnten 24 Seeleute von den schwedischen Dampfer Alida Gorthon aufgenommen werden. Inzwischen setzte U 100 zum zweiten Angriff an. Um 01.40 Uhr fiel der Torpedoschuss aus Rohr V, der nach 58 Sekunden am britischen Dampfer Astra II, mit 2.393 BRT hochging. Der Dampfer, der kurz nach dem Treffer über den Achtersteven sank, war auf dem Weg nach Rimouski in Kanada. Von der Besatzung fanden fünf Seeleute den Tod, die übrigen 21 Männer wurden gerettet.

Inzwischen näherte sich von Osten her ein weiterer Schatten, auf den U 100 umgehend zudrehte. Ein dann am 29. August 1940 um 03.16 Uhr abgefeuerter Torpedo verfehlte aber sein Ziel. Um 03.36 Uhr schoss das U-Boot einen Torpedo aus Rohr III, der nach 43 Sekunden Laufzeit im Maschinenraum des schwedischen Dampfers Alida Gorthon detonierte. Eine hohe Stichflamme stieg an der Bordwand des Frachters empor, anschließend erfolgte eine weitere schwere Explosion, wahrscheinlich eine Kesselexplosion. Der Dampfer sank danach achtern rasch weg.p285_1_01
Die Alida Gorthon mit 2.373 BRT war auf dem Weg nach St. Johns in Neufundland. Von der 24-köpfigen Besatzung kamen elf Mann ums Leben. Von denen an Bord der Alida Gorthon befindlichen 24 Überlebenden der Dalblair, fanden zwanzig Mann beim Untergang des schwedischen Dampfers den Tod. Mittlerweile hatte U 100 das nächste Schiff im Visier. Der um 03.57 Uhr geschossene Torpedo ging fehl. Eine Minute später wurde der letzte Torpedo des Bootes aus dem Heckrohr V abgefeuert. Nach 113 Sekunden traf das Geschoss das Achterschiff des britischen Dampfers Empire Moose mit 6.103 BRT.

Während U 100 nun, alle Torpedos verschossen, aus dem Konvoi OA.204 abdrehte, sank die Empire Moose über den Achtersteven. Der Zielhafen des Frachters war Port Sulphur in Louisiana. Die Besatzung des Dampfers bestand aus 36 Mann, die vollzählig gerettet wurden. U 100 trat den Rückmarsch an und machte am 01. September 1940 in Lorient fest. Bereits zehn Tage später stand U 100 wieder in See, diesmal lag das Operationsgebiet weiter westlich im Nordatlantik. Am 20. September 1940 meldete U 47 den Geleitzug HX.72, in dessen Nähe sich auch U 100 befand. Umgehend ließ Schepke auf den Konvoi operieren. Gegen 23.00 Uhr am 21. September entdeckte die Brückenwache den Geleitzug. Ohne lange zu überlegen, steuerte Schepke U 100 durch eine Lücke mitten in den Konvoi hinein.

p285_1_02Es war genau 23.10 Uhr, als nacheinander drei Torpedos aus den Bugtorpedorohren fielen und ihren Zielen entgegen liefen. Beim Abdrehen schoss U 100 einen weiteren Torpedo aus dem Heckrohr V auf den äußersten Frachter der Kolonne. Nach 130 Sekunden traf der Torpedo aus Rohr I den britischen Dampfer Canonesa mit 8.286 BRT. Zehn Sekunden später ging der Torpedo aus Rohr II am dem britischen Motortanker Torinia hoch. Vierzig Sekunden nach dem ersten Treffer stieg eine weitere Detonationswolke an einem Dampfer mit zirka 5.000 BRT empor. Für diesen Treffer liegt keine alliierte Bestätigung vor. Der um 23.15 Uhr aus dem Heckrohr abgefeuerte Torpedo traf nach 54 Sekunden Laufzeit den britischen Dampfer Dalcairn mit 4.608 BRT.

Die zuerst getroffene Canonesa sank erst einige Stunden später am 22. September 1940. Die Ladung des Schiffes bestand aus 7.265 Tonnen Gefrierfleisch und Stückgut, zudem befanden sich 2.258 Tonnen Speck, 995 Tonnen Käse, 250 Tonnen Schinken und 379 Tonnen Fisch an Bord. Der Zielhafen der Canonesa war Liverpool. Von der 63 Mann starken Besatzung fand ein Seemann den Tod. Der Tanker Torinia hatte 10.364 BRT und war mit 13.815 cbm Treiböl für die britische Marine auf dem Weg in den Clyde. Von der 55-köpfigen Besatzung starben fünf Mann.

Die zuletzt getroffene Dalcairn hatte 8.000 Tonnen Weizen, die für Hull bestimmt waren, geladen. Die Mannschaft von 42 Mann, wurde vollzählig gerettet. Auf U 100 mussten die Torpedorohre nachgeladen werden, währenddessen der Kommandant die zweite Kolonne des Konvois ansteuern ließ. Um 00.20 Uhr am 22. September griff U 100 erneut den Konvoi HX.72 an. Zwei Minuten später fiel der Torpedoschuss, der nach einer Laufzeit von 105 Sekunden den britischen Dampfer Empire Airman mit 6.586 BRT traf, welcher sofort auf ebenem Kiel tiefer sank. Die mit Eisenerz beladene und auf dem Weg nach Cardiff befindliche Empire Airman sank so rasch, dass nur vier Seeleute gerettet werden konnten, während 35 Mann den Untergang ihres Schiffes nicht mehr überlebten. Um 00.50 Uhr feuerte U 100 einen Torpedo aus Rohr V, der nach 53 Sekunden Laufzeit an einem Dampfer detonierte. Das deutsche U-Boot hatte den britischen Dampfer Scholar mit 3.940 BRT torpediert. Der Frachter schwamm aber weiterhin auf seiner Ladung, die aus 5.484 Ballen Baumwolle, 2.023 Tonnen Stahl, 242 Tonnen geschliffenen Holz, 965 Tonnen Bauholz und 54 Tonnen Arsen und Stückgut bestand und für Manchester bestimmt war.

p285_1_03Um das Schiff zu retten wurde der Schlepper Marauder herbeigerufen, der am 23. September die Scholar in Schlepp nahm. Aber der Dampfer sackte immer tiefer und drohte zu sinken, darum wurde am folgenden Tag die Schleppverbindung gekappt, woraufhin die Scholar nach Süden abdriftete und langsam sank. Die 41 Besatzungsmitglieder wurden vollzählig gerettet. In der Zwischenzeit lief U 100 bereits das nächste Schiff, einen Tanker im Geleitzug an, den der Kommandant auf mindestens 15.000 BRT schätzte. Um 01.53 Uhr fielen die Torpedoschüsse aus Rohr II und IV. Nach 65 Sekunden detonierte der erste Torpedo am Bug des Tankers, nur Sekunden später der zweite im Heck des Tankers. Zwei starke Detonationen erfolgten und zwei mächtige Stichflammen schossen aus dem Schiff, die das Deck des Tankers regelrecht aufrissen. Nach einiger Zeit sackte der Tanker achtern schnell weg und begann zu sinken.

Nur noch der Bug ragte aus dem Wasser, bis dieser nach einigen Minuten jäh empor stieß, um dann steil in die Tiefe des Meeres zu sinken. U 100 hatte den britischen Tanker Frederick S. Fales mit 10.525 BRT versenkt. Der Tanker hatte 13.849 cbm Treiböl, für die britische Marine bestimmt, geladen. Bestimmungsort war Clyde. Durch das Inferno der Torpedo-Detonationen und Brände verloren zwanzig Mann der Besatzung ihr Leben. Nur acht Seeleute konnten gerettet werden.

Inzwischen ließ Schepke U 100 an der Backbordseite eines weiteren Schiffes zum Angriff vorsetzen. Um 02.14 Uhr fiel der Torpedoschuss aus Rohr III, der den Dampfer nach 50 Sekunden Laufzeit am Bug traf. Nachdem die Sprengsäule zusammengefallen war, schnitt der Frachter trotz seiner Größe unter und war Sekunden später von der Wasseroberfläche verschwunden. Diesmal hatte U 100 den norwegischen Dampfer Simla mit 6.031 BRT versenkt. Die Simla sank sehr schnell, wohl begründet durch die für Tees bestimmte Ladung aus 4.129 Tonnen Eisenerz und 3.970 Tonnen Stahl. Beim Untergang der Simla fanden fünf Seeleute den Tod, die übrigen wurden gerettet. Damit hatte Kapitänleutnant Joachim Schepke sieben Schiffe aus dem Konvoi HX.72 versenkt.

Anschließend wurde der Rückmarsch nach Lorient angetreten, wo U 100 am 25. September 1940 festmachte.

Text: Hans-Joachim Röll und das Deutsche U-Boot-Museum – Bilder: Deutsches U-Boot-Museum

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