Die Geschichte von U 581

Bau und Indienststellung

U 581 war ein Boot vom Typ VII C und damit ein quasi ein Schwesterboot des wesentlich populäreren U 96. Es wurde am 08.01.1940 bei Blohm & Voss in Hamburg in Auftrag gegeben. Am 25.09. wurde unter der Werknummer 557 bzw. 81 nach neuer Nummerierung ab U 575 mit dem Bau begonnen. Am 12.06. erfolgte der Stapellauf, am 31.07. die feierliche Indienststellung durch den Kommandanten Kptl. Werner Pfeifer.

Bei der Feier der Indienststellung im Oberfeldwebelraum von U 581

Abnahme und Ausbildung in der Ostee

Schon direkt nach der Indienststellung der 5. Flottille unterstellt, unterzog sich U 581 einer achttägigen Abnahme durch das UAK in Kiel, wobei es auch im Druckdock in der Schwentine getestet wurde. Danach verlegte zur Ausbildung und Erprobung in die östliche Ostsee. Nur wenige Angehörige der Besatzung hatten zu dieser Zeit U-Boot-Erfahrung. Nach Aussagen von kriegsgefangenen U-Boot-Besatzungen lief U 581 zunächst Danzig an, weil der Kommandant einen Tag an Land verbringen wollte, während die Besatzung im Stützpunkt bleiben musste. Nach kurzer Nachtausbildung in Hela wurden von Gotenhafen aus taktische Übungen durchgeführt, wobei besonderer Wert auf Alarmtauchen gelegt wurde. Besatzungsangehörige berichteten später von 30-40 Übungsalarmen an einem einzigen Tag. Es wurde auch berichtet, dass der LI die Anlagen des Bootes mit großen Eifer überprüfte.
Nach Abschluss seiner Ausbildung und Erprobung reiste U 581 über Warnemünde, wo für drei Tage Torpedoübungen durchgeführt wurden, nach Kiel. Dort wurde es für Reparaturen an den Motorenölpumpen sowie den Ersatz eines Zylinderkopfes für 3-4 Wochen bei der Kriegsmarinewerft eingedockt. Nach Aussagen der Besatzung in Kriegsgefangenschaft, durfte sie dabei nicht auf Urlaub gehen, während der Kommandant so gut wie täglich zu seiner Familie nach Plön fuhr, was zu Unmut unter der Besatzung geführt hat.
Mitte Dezember war U 581 dann frontreif und einsatzbereit. Es wurde der 7. U-Flotille unterstellt. Neben dem Emblem der 7. U-Flotille, dem Stier von Scapa Flow, trug U 581 als spezielles Bootsemblem eine Filzlaus. Während der Baubelehrungszeit bei Blohm & Voss waren der LI und ein erheblicher Teil der Besatzung von diesen befallen.

U 581 bei seiner Ausbildung in der Ostsee

Erste Feindfahrt

Am 13.12.1941 stach U 581 zu seiner ersten Feindfahrt aus Kiel in See. Es passierte das Skagerrak sowie die Nordsee und brach zwischen den Shetland- und Färöerinseln in den Atlantik durch. Um die Mittagszeit des 19.12.1941 sichtete U 581 einen einzeln fahrenden Dampfer, der auf ca. 4.000 BRT geschätzt wurde. Es setzte sich vor den Gegner, ging zum Unterwasserangriff auf Sehrohrtiefe und schoss einen Doppelschuss aus Rohr I und II, konnte aber keinen Treffer erzielen. Als U 581 nach dem Nachladen der Torpedos fast zweieinhalb Stunden später auftauchte, war der Dampfer außer Sicht und konnte nicht wieder gefunden werden, so dass U 581 seine Feindfahrt gemäß Operationsbefehl fortsetzte. Heiligabend 1941 lief das Boot ohne Versenkungserfolg in seinen neuen Stützpunkt in St. Nazaire ein. Der BdU stellte in seiner Stellungnahme fest, dass es sich um die erste Unternehmung und Überführungsfahrt eines neuen Bootes handelt. Er kritisiert das Handeln des Kommandanten beim Angriff auf den Einzelfahrer am 19.12., der eine selten günstige Erfolgschance geboten hätte.

Zweite Feindfahrt

Nach etwas mehr als zwei Wochen Werftüberholung in der Kriegsmarinewerft St. Nazaire lief U 581 am 11.01.1942 zu seiner zweiten Feindfahrt aus, die es im Rahmen von Operation Paukenschlag vor die Küste Neufundlands führen sollte. Bereits am 2. Seetag hatte das Boot bei einem Probealarm Grundberührung und trug eine Beschädigung seines Ruders davon, die sich allerdings so geringfügig heraus stellte, dass die Feindfahrt fortgesetzt werden konnte.
Am 19.01. wurde um 23 Uhr wurde ungefähr 400 sm östlich der Azoren ein Kriegsschiff gesichtet, das als Korvette von ca. 800 t angesprochen wurde. Es war eine sehr dunkle Nacht mit etwas Niederschlag. U 581 feuerte zuerst einen Einzelschuss, dann einen Zweierfächer, von dem ein Torpedo das Schiff mittschiffs traf und augenblicklich versenkte. Recherchen nach dem Krieg ergaben, dass es sich dabei um die HMS Rosemonde gehandelt haben könnte, einem 364 t großen Admiralty Trawler, der auf der Reise von den britischen Inseln nach Gibraltar verloren gegangen ist.

Die Llangibby Castle

U 402 beim Einlaufen nach erfolgreicher Feindfahrt

Am 16.01.1942 beschädigte U 402 unter Kptl. Siegfried Freiherr von Forstner den 11.951 t großen britischen Truppentransporter Llangibby Castle. Sie war Teil des aus 20 Schiffen und 3 Eskorten bestehenden Geleitzuges WS-15, dem übrigens auch die bekannte Laconia angehörte. Die schnellen, rein militärischen WS-Geleitzüge brachten Truppen und Material von England über Freetown und das Kap der Guten Hoffnung in den mittleren Osten und nach Indien bzw. den fernen Osten . Ein Torpedo von U 402 traf die Llangibby Castle am Heck und zerstörte das Ruder sowie das achtere Geschütz, ließ aber die Schrauben intakt. 26 Seeleute kamen dabei ums Leben.
Vier Tage später konnte sich die Llangibby Castle nur durch die Maschinen gesteuert, nachdem sie sich wiederholter Angriffe durch deutsche FW-200 Langstreckenflugzeuge erwehren musste, in den neutralen portugiesischen Hafen Horta auf der Azoreninsel Fayal schleppen. Die portugiesische Regierung gewährte dem Schiff 14 Tage Zeit, um Reparaturen vorzunehmen, bevor das Schiff wieder auslaufen oder sich internieren lassen müsste.

Die Jagd auf die Llangibby Castle

Die Llangibby Castle während des 2. Weltkriegs, Foto: Imperial War Museum

U 581 erhielt vom BdU den Befehl, zu den Azoren zu laufen und sich dort mit U 402 zu treffen, um die Llangibby Castle beim Auslaufen anzugreifen und zu versenken. Am 31.01. erreicht U 581 die Azoren und drang noch in derselben Nacht in den Hafen von Horta ein. Die Llangibby Castle wurde dort zwar gesichtet, lag aber hinter einem massiven steinernen Pier, der einen Angriff unmöglich machte, so dass das Boot sich wieder zurück zog.
Den Tagesverlauf des 01.02. verbrachte U 581 außer Sichtweite von Land. Um 02.00 Uhr am 02.02. kam U 402 in Sicht. Nach Austausch von Erkennungssignalen gingen beide Boote längsseits. Die beiden Kommandanten besprachen das weitere, gemeinsame Vorgehen. U 402 sollte sich an den nördlichen Ausgang der Straße zwischen Pico und Fayal begeben während U 581 vor dem Hafen verbleiben sollte.

Die Versenkung von U 581

Einige Stunden später erschienen 3 britische Zerstörer und ein Schlepper vor dem Hafen von Horta. U 581 tauchte sofort und feuerte einen Torpedo aus dem Heckrohr auf den am nächsten gelegenen Zerstörer, der sein Ziel weit verfehlte. Als U 581 dann, um der Ortung durch den Gegner zu entgehen, auf eine Tiefe von 80 m taucht, kam es zu einem Wassereinbruch über die Abgasleitung des Backbord-Diesels. Innerhalb kurzer Zeit drangen ca. 10 t Wasser in das Boot ein, das nur mit äußerster Fahrt der E-Maschinen und hart gelegten Tiefenrudern auf einigermaßen ebenen Kiel gehalten werden konnte. Eine möglicherweise auftretende starke Achterlastigkeit und damit das Laufen des eingedrungenen Wassers vom Dieselraum in den E-Maschinenraum hätte die E-Maschinen stark gefährdet. Da die Pumpen des Bootes aus Gründen der Geräuschminimierung nicht genutzt werden sollten, wurde wie auch auf U 96 oder dem fiktiven UA Buchheims das Wasser per Eimerkette zum Gewichtsausgleich in den Bugraum gemannt. Da sich das Boot durch das eingedrungene Wasser nicht auf seiner Tiefe halten lassen konnte, befahl der Kommandant anzublasen. Bei einer Tiefe von 20 m wurden nahe Schraubengeräusche gehört, so dass das Boot abermals auf Betreiben des LI auf Tiefe ging. Als es dabei auf eine 190 m durchgesackt war, gab der Kommandant schließlich den Befehl, alle Tanks anzublasen und aufzutauchen. U 581 durchbrach kurz darauf in nur geringer Entfernung zu den gegnerischen Zerstörern die Wasseroberfläche.

Die HMS Westcott, Foto: Imperial War Museum

Die sich am nächsten befindliche HMS Westcott setzte sofort zum Rammen an, verfehlte jedoch das Boot. Aufgrund der Nähe zum britischen Zerstörer HMS Croome und zum neutralen Territorium wollte man kein Geschützfeuer eröffnen. Der Zerstörer warf aber bei diesem Anlauf noch 10 Wasserbomben mit geringster Tiefeneinstellung 10 m seitlich von U 581 ab, die wohl erhebliche Beschädigungen auf dem Boot verursachten. Kurz danach gab der Kommandant den Befehl, das Boot zu verlassen und zu versenken. Nach einer Kehre nach Backbord versuchte die Westcott erneut, U 581 zu rammen. Diesel Mal traf der Zerstörer das U-Boot kurz hinter dem Turm, nur Augenblicke nachdem es von seiner Besatzung verlassen wurde. Bevor die Westcott zu einem weiteren Ramming ansetzen konnte, versank U 581 mit dem Heck voran. Von der 46 Mann starken Besatzung wurden 36 Mann von der Westcott und 5 von der Croome aufgenommen. Der 2. Wachoffizier Lt.z.S. Walter Sitek wollte einer Gefangennahme entgehen und erreichte mehr als 5 Stunden später schwimmend die ca. 4 sm entfernd liegende Insel Pico. Er wurde schließlich wieder nach Deutschland gebracht, wo er später selber U-Boot-Kommandant wurde. Er führte das VII C-Boot U 981 auf zwei Feindfahrten. Vier Besatzungsmitglieder von U 581 sind bei dessen Versenkung ums Leben gekommen. Der 1. Wachoffizier des Bootes Heinrich Ruß hielt es 42 Jahre später aus der Erinnerung für möglich, dass sie möglicherweise durch eine weitere von der Westcott über der Untergangsstelle geworfene Wasserbombe getötet worden sind. In keiner weiteren Quelle bzw. Zeugenaussage findet diese Erwähnung.

U 402 war in der Zwischenzeit heran gekommen und versuchte noch, auf die gegnerischen Zerstörer zum Schuss zu kommen, wurde aber von ihnen abgedrängt. Der kleine Geleitzug um die Llangibby Castle erreichte mitsamt seinen deutschen Kriegsgefangenen am 08.02. Gibraltar. Am 06.04 verließ sie – immer noch mit defektem Ruder – Gibraltar und erreichte am 13.04. England, nachdem sie 3400 sm mit schwer beschädigten Heck und defektem Ruder, nur mit Maschinen gesteuert, gereist war. Der Kapitän der Llangibby Castle Ronald F. Bayer wurde für diese Leistung mit der Komptur des Order of the Britisch Empire (CBE) ausgezeichnet, der 1. Offizier J. Fergueson und der Leitende Ingenieur J. Mills mit den Offizierskreuz (OBE) sowie mit der von der Versicherungsbörse Lloyd´s of London gestifteten Lloyds War Medal for Bravery at Sea.

Das Schicksal der Besatzung in Kriegsgefangenschaft

Am 07.03. kam die Besatzung zusammen mit der ebenfalls gefangen genommenen Besatzung von U 93 in England an, um zunächst in einem Verhörlager bei London ausgiebig verhört zu werden. Anschließend wurden sie in das Camp 2 in Oldham, Lancashire in der Nähe von Manchester verlegt. Im April wurde die Besatzung von einem Passagierdampfer nach Kanada gebracht. Ihr erstes Kriegsgefangenenlager dort war Camp 20 in Gravenhurst, Ontario, welches schon vier Wochen später Offizierslager wurde, weshalb die Männer in das Camp 133 in Ozada, Alberta verlegt wurden. Dort mussten sie für Gefangene des deutschen Afrika-Korps Zelte aufbauen. Im November wurde die Besatzung von U 581 in einem schweren Schneesturm per LKW in ein Lager in Lethbridge, Alberta verbracht, wo sie bis zum Sommer 1946 verblieben. Nach einem halben Jahr bei einem Farmer wurden sie mit anderen deutschen U-Boot-Besatzungen in einem Camp gesammelt und nach England gebracht. Nach weiterem Arbeitsdienst in England wurden die Männer von U 581 im August 1947 über Munsterlager oder Dachau entlassen.

Ein weiteres Bild von U 581 während seiner Ausbildung

Der Bericht über die Vernehmungen der Besatzung von U 581

Bei den Vernehmungen der Besatzung in England trat schnell ein angespanntes Verhältnis zwischen den Offizieren und dem Rest der Besatzung zu Tage. Die Unteroffiziere und Mannschaften sollen sogar Erleichterung darüber ausgedrückt haben, durch die Gefangennahme nun nicht mehr unter den von ihnen gering geschätzten Offizieren dienen zu müssen. Nach Ansicht der Vernehmer unterstellte die Besatzung ihrem Kommandanten einen zu geringen Angriffsgeist, was negative Auswirkungen auf die Moral der Besatzung gehabt hätte.
Der Kommandant hätte sehr unter dem Einfluss seines LI gestanden, der als das „böse Genie“ des Bootes bezeichnet wird. Dessen ständiges Nörgeln und unnötig harte Disziplin hätten andauernde Spannungen verursacht. Der LI soll der Besatzung sogar verboten haben, ohne seinen ausdrücklichen Befehl Musik zu hören. Es hätte keinen Maat oder einfaches Besatzungsmitglied gegeben, der nicht von ihm bestraft worden wäre.

Quellen:

  • Bootsblätter und KTB von U 581

Weblinks:

Text: Kai Steenbuck – Fotos: Deutsches U-Boot-Museum, Imperial War Museum