Strandgut – August

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Aktuelles zum Kriminalfall an Bord eines gesunkenen dänischen Amateur-U-Bootes

Am 21.08. gab Peter Madsens Anwältin Betina Hald Engmark die geänderte Aussage ihres Mandanten bekannt. Dass der dänische U-Boot-Tüftler nicht mehr behauptet, die vermisste schwedische Journalistin Kim Wall bereits am Abend des 10.08. gegen 22:30 Uhr in Kopenhagen an Land gesetzt zu haben wurde bereits berichtet, im Unklaren blieb jedoch zunächst der konkrete Inhalt Madsens geänderter Aussagen.

Nach seinen neuen Aussagen habe ein Unfall an Bord des U-Bootes zum Tod von Kim Wall geführt. Er habe die Leiche dann später an einem unbekannten Ort in der Køgebucht ins Wasser geworfen, angeblich um sie auf See zu bestatten.

Madsens Anwältin sagte weiter, dass ihr Klient immer noch sehr betroffen von den Ereignissen, aber nun sehr erleichtert sei, dass seine neuen Angaben öffentlich geworden seien. Zu den konkreten Gründen für Madsens ursprüngliche Falschaussage könne sie keine Angaben machen, nur dass allgemein „Menschen unterschiedlich auf traumatische Ereignisse“ reagierten. „Wir glauben, dass er die Wahrheit sagt, wenn er angibt, dass sie [Kim Wall – d. Red.] im U-Boot gestorben ist.“, kommentierte der Kopenhagener Polizeichef Steen Hansen Madsens neue Aussagen. Nach Angaben eines Sprechers der dänischen Polizei, konzentriere man sich bei der immer noch andauernden Suche nach den sterblichen Überresten der Journalistin nun besonders auf ein Gebiet südlich der Öresundbrücke.

Kriminalfall an Bord eines gesunkenen dänischen Amateur-U-Bootes

Am Abend des 10.08.2017 wurde ein dänisches Amateur-U-Boot, das UC 3 Nautilus, als vermisst gemeldet. Eine groß angelegte Suchaktion der dänischen Streitkräfte blieb zunächst erfolglos, bis Nautilus gegen 10:30 Uhr am nächsten Morgen von vier Anglern auf ihrem Boot gesichtet wurde. Eine halbe Stunde später versankt das U-Boot dann plötzlich. Die einzige Person, die sich zu diesem Zeitpunkt an Bord des U-Bootes befand, sein Konstrukteur, der prominente dänische Ingenieur, Tüftler und Erfinder Peter Madsen, wurde von den Anglern gerettet und an Land gesetzt. Die schwedische Journalistin Kim Wall, die noch am Abend zuvor an Bord gegangen ist bleibt hingegen trotz intensiver Suche spurlos verschwunden.

Am Nachmittag des 12.08. wird Peter Madsen wegen des Verdachtes der fahrlässigen Tötung von Kim Wall festgenommen und befindet sich seit dem in Untersuchungshaft. Er bestreitet die Vorwürfe, bietet der Polizei aber seine Zusammenarbeit an. Ungefähr zu gleicher Stunde wurde auch das Wrack der UC 3 Nautilus gehoben und später als Beweismittel bzw. Tatort von der dänischen Polizei kriminaltechnisch untersucht. Am 13.08. gab diese auf einer Pressekonferenz dann bekannt, dass keine Leiche im Boot gefunden worden wäre und dass man nach der Untersuchung zu der Überzeugung gelangt sei, dass die Versenkung mutwillig herbeigeführt worden wäre. Am 16.08. wurde der Strafvorwurf gegen Madsen von fahrlässiger Tötung zu Totschlag verschärft.

Die letzte Fahrt der Nautilus

Das private, dänische U-Boot UC 3 Nautilus lief gegen 19:00 Uhr aus Refshaleøen im Hafen von Kopenhagen aus. Fotos dokumentieren, dass sich dabei zwei Personen an Bord befanden: der Konstrukteur und Besitzer Peter Madsen und die schwedische Journalistin Kim Wall, die an einer Story über ihn arbeitete. 90 Minuten später wurden diese erneut fotografiert, dieses mal ungefähr 5 sm südlich von einem Touristen von einem Kreuzfahrtschiff aus nahe der Insel Saltholm vor Kopenhagen. In einem Tweet von 21:51 Uhr geben die dänischen Streitkräfte erstmals bekannt, dass sie sich auf der Suche nach dem privaten U-Boot Nautilus befänden.

Das privat gebaute UC 3 Nautilus mit seinem Konstrukteur Peter Madsen (r.) nach Probefahrten im Hafen von Kopenhagen im Juni 2008. Foto: Joachim Michaelis/flickr, Nutzung durch CC BY-NC 2.0

Gegen 22:30 Uhr sagte Madsen dann bei seinen Besatzungsmitgliedern eine für den nächsten Tag geplante Reise nach Bornholm per SMS ab. Antworten mit der Frage nach der Begründung blieben unbeantwortet. Nachdem Kim Wall nicht wie vereinbart nach Hause zu ihrem Freund zurückgekehrt war, meldete dieser sie gegen 02:30 Uhr in der Nacht des 11.08. bei der Polizei als vermisst. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist die Suchaktion nach Nautilus angelaufen. Das dunkel gestrichene U-Boot war mit keinerlei Laternen oder Beleuchtung ausgestattet und in der Dunkelheit so gut wie nicht auszumachen.

Gegen 04:00 Uhr meldete sich die dänische Polizei bei den Besatzungsmitgliedern von Nautilus, um festzustellen, ob sich diese an Bord des vermissten U-Bootes befänden.

In der Køgebucht, ungefähr 10 sm südlich ihres letzten bekannten Standortes wurde Nautilus gegen 10:30 Uhr dann von vier Freunden gesichtet, die an diesem Morgen mit ihrem Boot zu einer Angeltour aufgebrochen waren. Diese sagten aus, dass sie zunächst per Handy die Polizei informierten und sich dann dem U-Boot näherten. Sie hätten gesehen, dass Madsen auf dem Turm war und ihn angerufen, ob bei ihm alles in Ordnung wäre. Er hätte geantwortet, dass soweit alles in Ordnung wäre, es gäbe nur eine kleine Sache, die er „unten“ reparieren müsse und sei ins Boot hinabgestiegen. Nachdem er eine Minute später wieder auf dem Turm erschienen sei, hätte das U-Boot schnell zu sinken begonnen. Unmittelbar nachdem er von den vier Anglern aufgefischt worden sei, hätte Madsen ein defektes Ventil eines Tauchtanks als Unglücksursache angegeben. Er wäre allein an Bord gewesen, eine schwedische Journalistin will am vorherigen Abend gegen 22:30 Uhr in Refshaleøen in Kopenhagen an Land gesetzt haben. Diese Aussage widerrief Madsen allerdings später in Polizeigewahrsam.

Peter Madsen

Der 1971 geborene Peter Langkjær Madsen ist ein prominenter dänischer Ingenieur, Tüftler und Erfinder. Wie er in verschiedenen Jugendsendungen des dänischen Fernsehens bekannte, ist es sein größter Traum, sich auf einer selbstgebauten Rakete als ersten Dänen ins Weltall zu schießen. Schon früh Mitglied im dänischen Amateur-Raketen Klub, experimentiert er seit 1995 zunächst auf eigene Faust mit verschiedenen Raketen. 2008 war er dann Gründungsmitglied der „Copenhagen Suborbitals“, einer rein privaten, nicht profitorientierten Initiative, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einen Menschen erst ins All und danach sicher wieder zu Erde zu bringen. Damit will sie Menschen inspirieren, auch das scheinbar Unmögliche zu versuchen. Außerdem hätte man nach eigenem Bekunden bei dem weltweit einzigen Amateur-Raumfahrtprogramm sehr großen Spaß. Bis zum Jahr 2014 wurden verschiedene Versuchsraketen bei minimalem Budget teils erfolgreich getestet. Noch im August soll die neueste Generation von Raketen der Copenhagen Suborbitals, die Nexø II von einer Startplattform in der Ostsee abheben.

2014 zerstritt Madsen sich mit seinen Kollegen von den Copenhagen Suborbitals, worauf hin er die Initiative verließ um mit seinem eigenen Unternehmen, Raketmadsens Rumlaboratorium, seinen großen Traum weiter zu verfolgen.

Im Oktober 2014 erhielt für seine Arbeit den „Niemals wie die Anderen“-Preis für Individualität des dänischen Magenbitters „Gammel Dansk“, der inzwischen ausschließlich in Norwegen hergestellt wird.

Neben dem Raketenbau ist die Konstruktion von U-Booten ein weiteres Betätigungsfeld von Madsen. Er entwickelte bisher 3 U-Boote:

UC 1 Freya

Als UC 1 Freya im Jahr 2002 seine ersten Fahrtversuche im Hafen von Kopenhagen unternahm, war es das erste Amateur-U-Boot Dänemarks. Es war einfach konstruiert, bewährte sich im Einsatz aber auch wegen seiner guten Manövrierfähigkeit. Es wurde nur von einem E-Motor angetrieben. Es ist nie tiefer als 15 m getaucht, obwohl seine angenommene Zerstörungstiefe bei 135 m liegt. Nach über 400 Tauchgängen und der Teilnahme an diversen maritimen Veranstaltungen wurde das Boot 2006 an Land gesetzt und nach Entfernung aller Schadstoffe im Herbst 2009 im Øresund versenkt.

Baujahr 2000
Bauwerft Privatbau in Kopenhagen
Verdrängung weniger als 10 t
Länge über alles 7,5 m
Breite – größte 1,0 m
Höhe 2,9 m
Antriebsart 1 Elektromotoren, 1 Schraube
Maschinenleistung 3,1 kW
Geschwindigkeit 3,5 kn/ 2,5 kn unter Wasser
Reichweite 3 sm
Tauchtiefe 15 m
Treibstoffvorrat 1 200 Ah / 24 Volt Setronic – Fiamm GS Gel Akku
Bewaffnung keine
Besatzung 1

UC 2 Kraka

UC 2 Kraka im Hafen von Kopenhagen im Mai 2008. Foto: Joachim Michaelis/flickr, Nutzung durch CC BY-NC 2.0

Dieser Entwurf wurde aus UC 1 Freya abgeleitet. Das Boot war ungefähr doppelt so groß wie sein Vorgänger. Es verfügt über einen dieselelektrischen Antrieb mit einer Welle und über eine Taucherschleuse . Es wurde für eine Einsatztauchtiefe von 40 m ausgelegt. Nach über 50 Tauchgängen wurde es 2009 an Land gesetzt und wird seither im Dänischen Technischen Museum in Helsingør ausgestellt.

Baujahr 2006
Bauwerft Privatbau in Kopenhagen
Verdrängung ca. 9 t
Länge über alles 12,6 m
Breite – größte 1,7 m (Rumpf ohne Tiefenruder 1,0 m)
Höhe 2,9 m
Antriebsart 1 Dieselmotor, 1 Elektromotor, 1 Schraube
Maschinenleistung 50 kW (68 PS)/ 6 kW unter Wasser
Geschwindigkeit 9 kn/ 3 kn unter Wasser
Reichweite 40 sm / 3 sm unter Wasser
Tauchtiefe 100 m
Treibstoffvorrat Weniger als 50 l, 1 400 Ah / 24 Volt Setronic – Fiamm GS Gel Akku
Bewaffnung Keine
Besatzung 2

UC 3 Nautilus

UC 3 Nautilus führt zusammen mit UC 2 im Mai 2008 im Hafen von Kopenhagen Manövrierversuche durch. Auf dem Vorderdeck ist rechts Peter Madsen zu erkennen. Foto: Joachim Michaelis/flickr, Nutzung durch CC BY-NC 2.0

UC 3 Nautilus wurde nach einer Bauzeit von ca. 3 Jahren und Kosten von ca. 200.000 €, die durch Crowdfunding aufgebracht wurden, am 03.05.2008 von einem Kran in sein Element gehoben. Zu diesem Zeitpunkt war es das größte zivile U-Boot der Welt. Nach 3 Monaten der Fertigstellung und Ausrüstung konnte es im August 2008 seine erste Fahrt aus eigener Kraft unternehmen. Nach verschiedenen Tests absolvierte Nautilus im Oktober 2008 seine erste Tauchfahrt. Im Frühjahr 2009 wurde ein Schnorchel nachgerüstet. In diesem Jahr besuchten auch eine Delegation der führenden Seite im Internet über U-Boot- und Marinesimulationen subsim.com sowie Computerspielentwickler des U-Boot-Spiels Silent Hunter V der Firma Ubisoft das Boot. In der folgenden Zeit wurde UC 3 Nautilus für private Zwecke und einige Expeditionen genutzt. Im Sommer 2010 schob das Boot auf seiner bisher längsten Reise die schwimmende Raketenstartplattform Sputnik der Copenhagen Suborbitals von Kopenhagen nach Nexø, einem Hafen an der Ostküste Bornholms. Nach dieser Reise verblieb UC 3 Nautilus zunächst für mehrere Monate im Hafen von Nexø. Dort kam es dann beim Laden der Batterien zu einer Verpuffung, die das Boot so schwer beschädigte, dass es nicht mehr aus eigener Kraft nach Kopenhagen zurückkehren konnte. Anfang 2011 wurde es dann nach Kopenhagen geschleppt um dort einer mehrjährigen Generalüberholung und Modernisierung unterzogen zu werden. Hierfür wurde eigens ein Unterstützerverein gegründet. Nach einigen Arbeiten übertrug dieser Verein am 15.04.2015 das U-Boot nach persönlichen Differenzen wieder an Peter Madsen persönlich. Erst am 28.04.2017 konnte UC 3 Nautilus wieder zu Wasser gelassen werden. Am 11.08.2017 sank das Boot unter bisher ungekärten Umständen südlich von Kopenhagen. Es wurde von dänischen Polizeibehörden gehoben und als Beweismittel beschlagnahmt.

Baujahr 2008
Bauwerft Privatbau in Kopenhagen
Verdrängung 42 t
Länge über alles 17,76 m
Breite – größte 2,0 m
Tiefgang 4,3 m
Antriebsart 2 Dieselmotoren, 1 Elektromotor, 1 Schraube
Maschinenleistung unbekannt
Geschwindigkeit max. 9 kn
Reichweite ca. 150 sm / ca. 15-20 sm unter Wasser
Tauchtiefe 100 m
Treibstoffvorrat 1.500 l
Bewaffnung keine
Besatzung bis zu 8