U 505 – Zustand und Einbettung in eine Ausstellung 2013

von Kai Steenbuck im Oktober 2013 – Mitglied des FTU

Dieser Bericht soll einen kurzen Überblick darüber geben, wie sich U 505 im Museum of Science and Industry in Chicago dem Besucher darstellt und die Austellung beschreiben, in die es eingebettet ist.

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U 505 in seiner Halle

Das Exponat selber präsentiert sich nach mehrjährigen und mehrere Millionen Dollar teuren Restaurierungs- bzw. Konservierungsarbeiten sowohl von innen wie von außen in exzellentem Zustand. Im Gegensatz zu U 995 in Laboe ist zum Beispiel der Bug vollständig erhalten inkl. Der äußeren Klappen der Torpedorohre, der Empfänger des GHG über den Tiefenrudern oder sämtlicher Flutschlitze. Außerdem scheinen die Besucher generell besser überwacht worden zu sein, da wenig Teile aus dem Inneren entwendet worden sind. Es wurde sehr großer Wert darauf gelegt, bei der Restaurierung authentische Farben für den Anstrich zu verwenden. Im Inneren wurde sogar an entsprechenden Teilen wieder floureszierende Farbe aufgebracht.

Der als Eingang dienende vordere Zugang wurde im vorderen Bereich des Unteroffiziersraums an backbord in Druckkörper und Außenhülle geschnitten. Der Fußboden des Unteroffiziersraums wurde tiefer gelegt, um auch größeren Menschen das aufrechte Stehen zu ermöglichen. Ein Gitter am Luk zum vorderen Torpedoraum verhindert zwar den Zugang, gewährt dem Publikum allerdings Einblicke. Zentral im Unteroffiziersraum kann der Besucher durch ein Gitter im Boden den vorderen Akkumulatorenraum 2 inklusive eines zur Wartung der Akkumulatoren verwendeten Schwebewagens betrachten. Im Unteroffiziersraum sowie im direkt daran angrenzenden Oberfeldwebelraum wurden die Kojen an backbord entfernt, um einen breiteren Durchgang für das Publikum zu schaffen, die Küche, der Offiziersraum und das Kommandantenschapp präsentieren sich mit bezogenen Kojen nahezu unverändert. Die oberen Luken können, da sich das Exponat in einer Halle befindet, geöffnet bleiben.

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Das aufgeschnittene vordere Druckschott der Zentrale

Um das vordere und achtere Zentrale-Druckschott sind größere Durchgänge geschnitten worden, damit Besucher nicht durch die Schotten steigen müssen. Der Dieselraum wurde weitestgehend in seinem Originalzustand belassen. Im E-Maschinenraum befindet sich wieder an Backbord der Ausgang aus dem Boot. Dazu wurde der Junkers-Kompressor entfernt, der außerhalb des Bootes ausgestellt wird. Der achtern gelegene Hecktorpedoraum ist auch weitestgehend im Originalzustand belassen.

Der normale Besucher erhält nur im Rahmen einer Führung auf Englisch Zutritt zu dem Boot. Während einer solchen Führung, die ziemlich genau 20 Minuten dauert, kommen verschiedene Licht- und Toneffekte zum Einsatz. Im Unteroffiziersraum erklärt die Führerin bzw. der Führer zunächst wo man sich gerade befindet und umreißt sehr grob die Einsatzgeschichte deutscher U-Boote im 2. Weltkrieg. Dazu ertönt aus dem dazu rot beleuchteten Bugraum eine Tonsequenz die einen Torpedoschuß darstellen soll. Die dazugehörigen Kommandos werden auf deutsch eingespielt. Die Tonsequenz scheint extra zu diesem Zweck angefertigt worden zu sein. Auf dem Weg über Küche und den Offiziersräumen zur Zentrale werden Tonsequenzen eingespielt, die das Bordleben im 2. Weltkrieg darstellen sollen. Zum Teil sind Dialoge und Sequenzen aus dem Spielfilm „Das Boot“ verwendet worden, zum anderen Teil scheinen sie wiederum extra für diesen Zweck angefertigt worden zu sein.

In der Zentrale wird dem Besuchern dann die Geschichte der Aufbringung von U 505 geschildert. Zu diesem Zweck wird die Zentrale beinahe völlig abgedunkelt und eine Tonsequenz eingespielt, die das Geräusch vom ASDIC eines Zerstörers bzw. die Explosionen von Wasserbomben darstellen sollen. Teilweise wird in der Zentrale auch Rotlicht geschaltet. Anschließend wird der Dieselmotorenraum ohne weitere Erklärung durchquert, die Teilnehmer einer Führung sammeln sich zum Schluss im Elektromotorenraum. Dort wird den Besuchern im Dunklen demonstriert, dass wichtige Teile des Inneren des Bootes mit floureszierender Farbe gestrichen sind. Die Geschichte des Aufbringens wird komplettiert und anschließend besteht kurz Zeit für Rückfragen des Publikums. Der Hecktorpedoraum kann durch das offene Luk betrachtet werden, wird im Rahmen einer Führung jedoch nicht betreten. Die Führung im Allgemeinen wirkt sehr gut einstudiert, was sie allerdings auch sein muss, da die Ausführungen der Führerin bzw. des Führers mit den Licht- und Toneffekten relativ genau zeitlich koordiniert sein müssen.

In der Halle von U 505 befinden sich außer dem Boot noch viele weitere Exponate, einige von ihnen sind interaktiv. Zuerst wäre der Tiefenruder-Trainer zu nennen. An diesem können zwei Besucher an Nachbildungen der Tiefenruderstände von U 505 Platz nehmen und verschiedene Tauchmanöver simulieren, wobei sich die gesamte Konstruktion neigen kann und die verschiedenen Messgeräte wie zum Beispiel der Tiefenmesser ebenfalls mit in die Simulation mit einbezogen sind.

Des Weiteren gibt es eine verkleinerte Nachbildung des Turmes, in dem sich Nachbildungen der zwei Sehrohre des Bootes befinden, mit denen man Computersimulationen eines Torpedoschusses durchführen kann. Angeleitet wird man dabei von einer englischen Stimme mit stereotypisch deutschen Akzent.

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links im Bild der Auftriebssimulator, mittig die Turmnachbildung

Ein weiteres interaktives Exponat ist der Auftriebs-Simulator. Kern des Exponates ist ein 3,30 m hoher Wassertank mit einem Querschnittsmodell von U 505 mit seinen Tauchzellen. Durch Zufluten und Lenzen muss der Besucher versuchen, das Modell auf unterschiedliche Tiefen zu bringen. Obwohl das Exponat die Vorgänge bei der Tiefenänderung unter Wasser verfälscht wiedergibt, da Tiefenänderungen im Allgemeinen dynamisch, das heißt mittels Tiefenrudern vorgenommen wurden, kann der Besucher so doch einen allgemeinen Eindruck davon gewinnen, wie ein U-Boot funktioniert.

Als letztes interaktives Exponat ist „Leben an Bord“ zu erwähnen. In diesem sollen dem Besucher einige Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens an Bord näher gebracht werden. So kann der Besucher durch eine Nachbildung eines Druckschottes steigen, die ja an Bord des Bootes zu großzügigeren Eingängen aufgeschnitten worden sind. Er kann sich weiterhin in Kojen in Originalgröße legen oder versuchen, sich in einer Nachbildung der Küche zu bewegen.
Es befinden sich auch eine große Anzahl nicht-interaktiver Exponate in der Halle von U 505: ein 2cm c30 FlaK38 Zwillingsgeschütz, ein G7e Übungstorpedo sowie ein T-V „Zaunkönig“, beide vollständig aufgeschnitten und das noch funktionstüchtige Nachtluftziel-Sehrohr. Einen besonderen Platz nimmt die Abdeckung des Seewasserfilters für die Hauptlenzpumpe ein, die von dem letzten vor der Kaperung an Bord befindlichen Mann abgeschraubt wurde, um das Boot zu versenken, von einem Mitglied der Entermannschaft allerdings wieder aufgeschraubt werden konnte. Viele Schautafeln erklären zum Beispiel den Weg, den U 505 nach der Kaperung hinter sich gebracht gebracht hat oder das Leben der Besatzung in Kriegsgefangenschaft. Auf Flachbildschirmen eingespielte Videos runden das Informationsangebot ab. Auf einer großen Leinwand in einer Ecke der Halle wird ein Film über das Treffen von Daniel V. Gallery und Harald Lange an Bord von U 505 in den fünfziger Jahren gezeigt.

Durch wesentlich größere finanzielle Mittel, als den deutschen U-Boot-Exponaten U 995 und Wilhelm Bauer/U 2540 zur Verfügung stehen dürften, konnte U 505 aufwändig restauriert und in eine eigens hierfür gebaute Halle verbracht werden. Dort wurde das Exponat in eine zeitgemäße multimediale Ausstellung eingebettet, in der eine größere Anzahl an Angestellten des Museums tätig ist, teils um die interaktiven Exponate zu bedienen und zu überwachen und teils um den Besuchern zusätzliche Informationen zu vermitteln beziehungsweise um Fragen zu beantworten. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass U 505 eine der, wenn nicht die Hauptattraktion des Museum of Science and Industry darstellt.
Der Autor ist dem Museum of Science and Industry zu Dank verpflichtet, da es ihm ermöglicht wurde, eine private Führung durch das Boot durchzuführen bevor die Führungen für das allgemeine Publikum begannen.

Weblink:
Website des Museum of Science and Industry
http://www.msichicago.org/whats-here/exhibits/u-505/ (nur auf Englisch)

Literatur:
James E. Wise Jr. : U-505, The final Journey, Annapolis, 2005 (engl.)

Kai Steenbuck, Oktober 2013
email: steenbuck@foni.net