Strandgut – Oktober

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Sex- und Drogenskandal auf britischem Atom-U-Boot

Im vergangenen Monat legte das Britische Atom-U-Boot mit ballistischen Raketen (SSBN) HMS Vigilant in der US-Marinebasis Kings Bay an der südlichen Atlantikküste des Bundesstaates Georgia, direkt an der Grenze zu Florida für eine mehrwöchige Neuausrüstung ihrer Trident-Raketen an. In dieser riesigen U-Bootbasis, die auch der Heimathafen der SSBNs der US-Atlantikflotte ist, befindet sich die Trident Refit Facility, eine Einrichtung der US Navy, in der mit Trident-Raketen ausgerüstete SSBNs überholt, repariert und modernisiert werden können. Für Arbeiten an ihren Trident-Abschussvorrichtungen müssen auch die vier britischen SSBNs der Vanguard-Klasse diese Basis anlaufen.

Die US-U-Boot-Basis Kings Bay im April 2001. Foto: Bob Webster, CC BY 3.0

Nach dem Einlaufen in Kings Bay ging beim Kommando der britischen U-Boote ein Hinweis ein, dass der Kommandant des Bootes möglicherweise eine unangemessene Beziehung mit einem ihm untergebenen weiblichen Besatzungsmitglied unterhalte. In der Royal Navy dürfen seit 2011 auch Frauen an Bord von U-Booten Dienst tun. Liebesbeziehungen innerhalb der Befehlskette sind strikt untersagt, außerhalb sind sie zwar erlaubt, im Einsatz gilt allerdings die Richtlinie, dass sich die Liebenden nicht einmal berühren dürfen.

Auf den Hinweis hin wurden sofort 2 hochrangige Offiziere des Royal Navy Submarine Service in die USA geflogen, um diese Angelegenheit zu untersuchen. Am 2. Oktober gelangten Informationen über die Untersuchungen an die Öffentlichkeit und es wurde bekannt, dass der Kommandant der Vigilant während dieser vorsorglich von seinem U-Boot abgezogen und von seinen Pflichten entbunden worden wäre.

Diese Affäre weitete sich aus, als ein Sprecher der Royal Navy nur wenige Tage später einräumen musste, dass auch der erste Offizier wegen des Verdachtes einer unangemessenen Beziehung mit einer Untergebenen vorsorglich seines Postens enthoben wurde. Laut britischen Marinekreisen sei das zeitgleiche Entfernen der beiden höchsten Offiziere eines Kriegsschiffs ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Die beiden mit der Untersuchung betrauten Offiziere seien nach inoffiziellen Quellen sehr verärgert über diese Disziplinlosigkeit im sonst so diskreten Submarine Service gewesen und hätten sich zudem sehr geschämt, dass die pikanten Untersuchungen an die Öffentlichkeit gelangt waren.

HMS Vigilant läuft in ihren Heimathafen ein. Foto: LA(Phot) Paul O’Shau/MOD OGL

Als am 26. Oktober auch noch bekannt wurde, dass mehrere Besatzungsmitglieder der Vigilant nach exzessiven Feiern positiv auf Drogen getestet und darauf hin unehrenhaft aus der Royal Navy entlassen worden waren, hatten sich die Vorgänge um die Vigilant zur Staatsaffäre und schlimmsten Skandal der Royal Navy in den letzten Jahren entwickelt. Der britische Verteidigungsminister Michael Fallon knöpfte sich umgehend seinen ersten Seelord in einer saftigen Standpauke vor und befahl ihm, sofort Drogentests bei allen Angehörigen der britischen U-Boot-Flotte vorzunehmen, um sicher zu stellen, dass es sich bei den von der Vigilant entfernten Männern (hoffentlich) um Einzelfälle handelt.

Während der Liegezeit in Kings Bay war die Besatzung der Vigilant in zivilen Hotels außerhalb des Stützpunktes untergebracht. Dort hatten einige Besatzungsangehörige, während die Ermittlungen gegen ihren Kommandanten und seinen 1. Offizier noch in vollem Gange waren, dann wilde alkohol- und drogengeschwängerte Feiern veranstaltet. Als höhere Offiziere des Bootes davon Wind bekamen, ordneten sie einen Drogentest der Besatzung an, bei dem 9 Besatzungsmitglieder positiv auf Drogen getestet wurden. 4 von ihnen wurden sofort nach Hause geflogen und unehrenhaft aus der Royal Navy entlassen. 5 weitere wurden wurden später nach Hause geflogen und am 25. Oktober ebenfalls aus der Marine geworfen.

Nur Tage bevor die Vigilant wieder aus Kings Bay auslaufen sollte, entfernte sich ein Besatzungsmitglied unerlaubt von der Truppe und flog zu seiner Freundin nach England. Dort wurde er kurze Zeit später von der Militärpolizei festgenommen und wartet nun in Untersuchungshaft auf sein Militärgerichtsverfahren. Zwei weitere Besatzungsmitglieder quittierten im Zuge der Affäre von sich aus den Dienst auf der Vigilant.

Die Vigilant in der britischen Marinebasis Clyde im Jahre 2008. Foto: POA(Phot) Julian Merrill/MOD OGL

Im Zuge der Affäre hat die Vigilant in kurzer Zeit etwas mehr als 10 % ihrer Besatzungsstärke von 135 Männern und Frauen eingebüßt. Besonders schwer wiegt, dass der Kommandant und der 1. Offizier, die beiden einzigen Personen an Bord, die Zugang zum schon beschriebenen Safe mit dem Letter of Last Resort des britischen Premierministers haben und letztlich persönlich verantwortlich für den Einsatz von Kernwaffen sein könnten, ihres Kommandos enthoben werden mussten. Die Vorgänge um diese beiden Offiziere, dürften die Debatte über den Dienst von Frauen auf SSBNs neu befeuern. Die Feiern der Besatzungsangehörigen in den Hotels begründeten fortan nicht nur den Ruf der Vigilant als „Party-Boot“, sie lassen vor dem Hintergrund der anhaltenden Debatte um die Sicherheit der britischen Vanguard-U-Boote (vgl. die Strandgut-Ausgaben Dezember 2016 sowie Januar und Juli 2017) erneut Bedenken entstehen.

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