Strandgut – Mai

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Singapur bestellt 2 U-Boote bei TKMS

Der Verteidigungsminister von Singapur Dr. Ng Eng Hen (sprich Doktor Huang Jong Hong) gab am 16.05.2016 auf seiner Eröffnungsrede der IMDEX Asia 2017 bekannt, dass sein Land bei ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) in Kiel zwei weitere Boote des speziell für Singapur entwickelten U-Bootstyps 218SG bestellt habe. Mit diesem neuen Auftrag scheint mit den letzten Aufträgen, vgl. zuletzt Strandgut Februar, nach Angaben des Aufsichtsrats die Auslastung zumindest der U-Boot-Sparte von TKMS bis in das Jahr 2025 hinein gesichert.

Die IMDEX Asia ist eine große Fachmesse für maritime Verteidigungstechnolgie in Singapur, auf der unter Anderen natürlich auch TKMS sowie sein Erzrivale Direction des Constructions Navales (DCNS) vertreten sind. Auf dieser Messe sollen sich hochrangige Akteure aus der maritimen Verteidigungspolitik sowie des Militärs mit Schlüsselfiguren aus Industrie und Marineingenieurwesen vernetzen und Geschäftsbeziehungen knüpfen.

Singapur hatte bereits im November 2013 zwei Boote des Typs 218SG bei TKMS bestellt. Bisher hat es ausschließlich U-Boote aus schwedischer Fertigung im Einsatz. Den Anfang der Unterwasserstreitkräfte Singapurs markierten ab 1997 vier Boote der Challenger-Klasse der schwedischen U-Boot-Werft Kockums AB in Malmö. Ursprünglich als Sjöormen-Klasse Ende der 60er Jahre für die schwedische Marine gebaut, wurden die Boote zunächst einer umfangreichen Modernisierung sowie einer Anpassung an ihr zukünftig tropisches Einsatzgebiet unterzogen und dann ab 2001 für die Marine Singapurs in Dienst gestellt. In den Jahren 2011 und 2013 wurde Singapurs U-Boot-Flotte noch um je ein Boot der Archer-Klasse verstärkt. Auch dieses waren außer Dienst gestellte Boote der schwedischen Marine, allerdings waren sie von der wesentlich moderneren, Mitte der 80er Jahre gebauten Västergötland-Klasse. Vor ihrem Dienst in Asien wurden auch sie umfangreich modernisiert und angepasst, wobei sie auch einen außenluftunabhängigen Antrieb in Form eines Stirlingmotors in einer zusätzlich in den Druckkörper eingefügten Sektion erhielten. Im März 2015 wurden dann zwei Boote der Challenger-Klasse außer Dienst gestellt. Die verbleibenden zwei alten Boote der Challenger-Klasse sollen nun durch Boote des deutschen Typs 218SG ersetzt werden. Mit dem Zulauf der 2013 bestellten Boote wird 2021-22 gerechnet, die jüngst bestellten sollen ab 2024 folgen.

Die RSS Swordsman, ein Boot der Archer-Klasse der Marine Singapurs im Hafen, Foto: Asitimes – http://www.flickr.com/photos/94141246@N05/8697442661/ , CC BY 2.0

Es ist anzunehmen, dass Singapurs Marine das Kalkül verfolgt, mit einer ersten Generation von älteren, aber damit auch günstigeren U-Booten Expertise im Bereich von U-Boot-Operationen zu gewinnen, um dann erst später eine zweite Generation von modernen konventionellen U-Booten anzuschaffen. Ähnlich verhält es sich anscheinend mit der bengalischen Marine vgl. Strandgut März, nur konnte diese für ihre erste Generation von U-Booten nicht so tief in die Tasche greifen wie der wohlhabende Stadtstaat und musste seine Boote so quasi beim Discounter in China beschaffen. Für Singapur kamen bei der Beschaffung seiner zweiten Generation von U-Booten neben dem deutschen Typ 218 ein U-Boot-Entwurf von Kockums AB, die Viking-Klasse sowie die Scorpène-Klasse von DCNS in die engere Auswahl. Alle diese Entwürfe stellen relativ kleine und manövrierfähige Boote dar, die dabei mit außenluftunabhängigem Antrieb schnell und extrem leise sind. Außerdem liessen sich alle Entwürfe gut auf die speziellen Bedürfnisse der Marine Singapurs zuschneiden.

Der nun mit TKMS geschlossene Bertrag beinhaltet neben dem Bau der Boote außerdem ein „Logistik-Paket“ sowie Arrangements zur Ausbildung der Besatzungen aus Singapur in Deutschland. Solche Vertragsbestandteile machen einen zunehmend größeren Teil der Gesamtvolumina von U-Boot-Aufträgen aus. Genauere Angaben zum Vertrag oder zum Typ 218SG wurden weder von Seiten Singapurs noch von TKMS gemacht. Der erste Auftrag über zwei Boote von 2013 wurde damals auf erheblich über eine Milliarde Euro geschätzt, eine ähnliche Größenordnung ist auch bei dieser zweiten Bestellung anzunehmen.

Das griechische U-Boot Papanikolis vom Typ 214 bei der HDW in Kiel. Bis auf die unterschiedliche Ausführung der Heckruder dürfte das Aussehen der Klasse 214 weitgehend dem der neuen Klasse 218SG entsprechen. Foto: GDK, CC BY-SA 3.0

Beim Typ 218SG wird es sich um ein U-Boot mit Brennstoffzellenantrieb mit großer Reichweite bzw. Seeausdauer handeln. Es wird angenommen, dass es aus dem erfolgreichen Export U-Boot-Typ 214 hervorgegangen ist. Es soll für diverse Einsatzzwecke, wie geheime Seeraumüberwachung, Bekämpfung von Überwasserschiffen und U-Booten, dem Abfeuern von Marschflugkörpern oder dem Absetzen von Spezialeinheiten geeignet sein. Um flexibel mit unterschiedlichen, an die Mission angepassten Waffensystemen ausgestattet werden zu können soll es neben sechs herkömmlichen Torpedorohren vom Standardkaliber 533 mm sowie 2 Rohren mit größerem Kaliber auch noch mit bis zu 3 vertikalen Mehrzweckschleusen (VMPL – Verical Multi-Purpose Lock) ausgerüstet werden. Mit einem Durchmesser von 2,5 m sollen sie den Abschuss von Marschflugkörpern sowie das Absetzen von Spezialeinheiten oder unbemannten Unterwasserfahrzeugen erlauben. Für den Typ 218SG wird eine Verdrängung von ungefähr 2.400 t (getaucht) bei einer Länge von 70 m angenommen. Um eine gute Manövrierfähigkeit sicher zu stellen wird dieser Typ wahrscheinlich wie die deutsche Klasse 212 mit einem X-Ruder ausgestattet werden. Durch die Aufteilung in zwei wasserdichte Abteilungen sowie die Anordnung von zwei Decks im Druckkörper soll der Besatzung von 28 Mann sowohl große Sicherheit als auch hoher Komfort geboten werden. Das Abwassersystem und das System zur Müllentsorgung werden neuesten Umweltstandards entsprechen.

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