Strandgut – August

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Suche nach der ARA San Juan wird wieder aufgenommen

Die ARA San Juan macht im Mai 2017 in Buenos Aires fest. Foto: Angel Torrez – ASSA – Agrupación Suboficiales Submarinistas Argentinos, CC BY-SA 4.0

Wie das argentinische Verteidigungsministerium am 16. August 2018 mitteilte, soll die Suche nach der immer noch vermissten ARA San Juan schon im September wieder aufgenommen werden. Kurz nachdem Anfang April 2018 mit Russland das letzte andere Land seine Hilfsmaßnahmen bei der Suche nach dem Wrack des verschollenen argentinischen U-Boots beendet hatte, stellte trotz Protesten der Angehörigen der U-Boot-Besatzung auch die argentinische Marine ihre Suche ein. Die britische Firma Ocean Infinity soll nun mit modernster Ausrüstung den Meeresgrund des Südatlantiks nach dem U-Boot-Wrack absuchen. In der auf mindestens zwei und höchstens drei Monate angesetzten Suchaktion sollen vom Forschungsschiff Seabed Constructor ausgesetzte Unterwasserdrohnen größere Gebiete des Meeresgrundes mit einer bisher unerreichtem Präzision absuchen und dabei kartographieren. Falls sie das Wrack finden, winken Ocean Infinity 7,5 Millionen Dollar (6,4 Mill. Euro) der argentinischen Regierung, andernfalls bliebe das Unternehmen auf seinen sicherlich immensen Kosten sitzen.

Die Firma Ocean Infinity führte auch die letzte Suchaktion nach dem verschollen Flug MH 370 durch. Die Boeing 777-200ER der Malaysia Airlines, die mit 227 Passagieren und 12 Besatzungsmitgliedern einen Linienflug von Kuala-Lumpur nach Peking durchführen sollte verschwand kurz nach dem Start am 8. März 2014 aus der Luftraumüberwachung und gilt seitdem als vermisst. Trotz der teuersten Suchaktion in der Geschichte der Luftfahrt mit Gesamtkosten von mehr als 150 Millionen Euro ist es bisher nicht gelungen, den Flugschreiber oder das Wrack zu finden. Die internationale Tiefsee-Suchaktion nach MH 370 dauerte bis zum Januar 2017. Zu diesem Zeitpunkt hatte man bereits mehr 120.000 km² Meeresgrund ergebnislos abgesucht.

Die Maschine des Flugs MH 370, die Boeing 777-200ER mit der Kennung 9M-MRO der Malysian Airlines 2009 auf dem Flughafen von Tokyo. Foto: Kentaro Iemoto, CC BY-SA 2.0

Nachdem Ocean Infinity der malaysischen Regierung ein entsprechendes Angebot unterbreitet hatte, nahm die Firma mit dem von ihr gecharterten Unterwasser-Forschungsschiff Seabed Constructor und ihren Unterwasserdrohnen im Januar 2018 die Suche nach der immer noch verschollenen Verkehrsmaschine wieder auf. Bis Anfang Mai 2018 wurden noch einmal weitere 112.000 km² Meeresgrund im Indischen Ozean nach dem Flugzeugwrack abgesucht. Dabei wurden allerdings keine Ergebnisse erzielt, außer dass man dabei den Meeresgrund genauestens kartographiert hatte. Diese bathymetrischen Daten wurden später an das Projekt „Seabed 2030“ gespendet. Dieses Gemeinschaftsprojekt aus der japanischen Nippon-Foundation, die Erlöse aus Motorboot-Rennen gemeinnützigen Zwecken zuführt und der General Bathymetric Chart of the Oceans (GEBCO) der International Hydrographic Organisation sowie der Intergovernmental Oceanographic Commision der UNESCO, hat es sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Oberfläche des Meeresgrundes der Erde bis 2030 genau zu kartographieren. Da im Vertrag mit der malaysischen Regierung Zahlungen nur im Erfolgsfall zu leisten waren, ging Ocean Infinity schon bei dieser Suchaktion leer aus.

Der simultane und koordinierte Einsatz mehrerer als Autonomous Underwater Vehicle (AUV, autonomes Unterwasserfahrzeug) bezeichneten Unterwasserdrohnen ermöglicht es Ocean Infinity in kurzer Zeit weite Abschnitte des Meeresgrunds in Tiefen bis zu 6000 m gründlich abzusuchen und genau zu vermessen. Die Computer-Ausstattung des Forschungsschiffs ermöglicht es, die dabei anfallenden enormen Datenmengen gleich an Bord auszuwerten und visuell aufzubereiten. Damit könnte man eventuelle Ergebnisse umgehend den Angehörigen, die sich zum Teil auch mit an Bord befinden sowie einer interessierten Öffentlichkeit präsentieren.

Die AUVs der Firma Ocean Infinity sind HUGIN 6000 Unterwasserdrohnen des norwegischen Technologieunternehmens Kongsberg Maritime. Das Unternehmen der maritimen Zulieferindustrie mit derzeit über 4100 Mitarbeitern liefert neben Unterwasserdrohen auch verschiedenste Navigations-, Überwachungs-, Vermessungs-, Kontroll- sowie Sonarsysteme für die militärische wie zivile Schifffahrt her. Besonders bekannt ist das Unternehmen für seine Systeme zur dynamischen Positionierung, die die Sicherheit der Handelsschifffahrt beträchtlich erhöhen, indem sie die Navigation erheblich erleichtern. Die 6,2 m langen Fahrzeuge mit einem Durchmesser von rund 90 cm bieten eine leise und stabile Plattform für ihre Fülle an Sensoren. Dazu gehören Side Scan- sowie Multibeam-Sonaranlagen, eine HD-Kamera, ein Magnetometer sowie verschiedene Sensoren für das umgebende Seewasser und optional auch spezielle Lasersensoren. Sie sind bis zu 6 kn schnell, bei einer Geschwindigkeit von 3,6 kn beträgt ihre Ausdauer ca. 60 Stunden. Das Fahrzeug ist mit einem Wendekreis von 15-20 m recht wendig und einfach zu steuern. Es kann aber nicht nur ferngesteuert sondern auch autonom operieren.

Begleitet werden die AUV von der gleichen Anzahl an Unmanned Surface Vehicles (AUV, unbemanntes Überwasserfahrzeug). Diese unbemannten Boote sind 7,2 m lang, 2,2 m breit und können mit ihren beiden 45 PS-Dieseln bis 140 Stunden im Einsatz bleiben. Auch sie verfügen über einige Sensoren, dienen aber in erster Linie als Kommunikationsrelais zwischen AUV und dem Forschungsschiff sowie deren exakter Positionsbestimmung.

 

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© Brian Wayne Scott

 

Das unter norwegischer Flagge fahrende Mehrzweck-Unterwasserforschungsschiff Seabed Constructor wurde 2013 auf der Kleven-Werft im norwegischen Ulsteinvik gebaut. Bis 2016 wurde das Schiff unter dem Namen Olympic Athene von der norwegischen Firma Olympic Subsea, die hauptsächlich ozeanographische und maritime Dienstleitungen für die Errichtung von Offshore-Windparks anbietet, betrieben. Im Dezember 2016 wurde es dann von der gekauft und in Seabed Construcor umbenannt. Mit der Firma Ocean Infinity wurde kurz darauf ein 6-Jahres-Chartervertrag geschlossen. Die Seabed Constructor ist 115 m lang, 22 m breit und hat eine Verdrängung von 7.800 t. Sie bietet eine Deckfläche von rund 1.300 m² inkl. Landeplattform für Hubschrauber sowie Platz für bis zu 102 Passagiere. Sie verfügt über einen Hauptkran mit einer Höchstlast von 250 t und über zwei spezielle Hangars für den Einsatz von Tauchrobotern, mit denen eventuelle Funde gleich näher untersucht werden können.

Die technische Ausrüstung von Ocean Infinity entspricht in allen Aspekten dem neuesten Stand der Technik. Selbst wenn das Wrack nicht gefunden werden sollte, hätte man am Ende der Suchaktion dann wirklich alles menschenmögliche versucht, um das Wrack des verschollenen U-Bootes doch noch zu finden. Die Erfolgsaussichten der Suchaktion nach der San Juan dürften allerdings etwas günstiger sein als bei der Suchaktion nach MH 370, da sich der mögliche Unglücksort genauer eingrenzen lässt. Aber auch wenn sich das Wrack im Suchgebiet befinden sollte, heißt dies nicht automatisch, dass es auch entdeckt werden würde. Unter Umständen entgehen die Überbleibsel der San Juan selbst der hochentwickelten künstlichen Intelligenz in den Computern der Seabed Construcor. Nicht nur die Angehörigen der Besatzung der San Juan, sondern auch wir hier beim U-Boot-Archiv sehen den Ergebnissen der Suchaktion von Ocean Infinity also mit großer Spannung entgegen. Wir wünschen den Angehörigen von Herzen, dass das Wrack gefunden und damit das Schicksal ihrer Lieben aufgeklärt wird.

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